Auf ins neue Abenteuer...!

Da die Sommerferien in diesem Jahr sehr früh begannen, starteten wir bereits am 25.Juni in unser neues Amerika-Abenteuer. Da wir dieses Mal einen Direktflug ab Frankfurt gebucht hatten, nahmen wir zum ersten Mal das "Zug-zum-Flug"-Ticket in Anspruch und starteten so direkt vom Uelzener Hundertwasser-Bahnhof. Zum Glück hatten wir Sitzplätze reserviert, da der Zug rappelvoll war. Entgegen aller Befürchtungen, die ich immer beim Stichwort "Deutsche Bahn" habe, starteten wir mit nur 10minütiger Verspätung, erreichten problemlos unseren Anschlusszug in Hannover und kamen entspannt in Frankfurt Hauptbahnhof an. Von dort aus sollte es nach kurzem Halt zum Flughafenbahnhof gehen, als plötzlich die Durchsage kam, dass der Lokführer verschwunden sei. Zum Glück konnten wir darüber lachen (muss man ja wohl auch!?), da wir heute nicht mehr unter Zeitdruck standen. Nach einer Weile setzte sich der Zug dann auch wieder in Bewegung. Gegen Abend checkten wir dann in unserem Hotel in der Einflugschneise des Flughafens ein. Es war ein NH-Hotel in unattraktiver und zu dieser Zeit sehr unbelebter Industriegebietslage. Doch war es komfortabel und sauber. Da es keinerlei Möglichkeit gab, in der Umgebung etwas Essbares zu bekommen, kauften wir im Hotel Wraps und Salat und aßen im Innenhof, wo wir uns erstmal daran gewöhnen mussten, ständig ganz nah die Tragflächen der landenden Flugzeuge knapp über dem Hotel zu sehen. Im Zimmer war es aber trotzdem sehr ruhig, so dass wir eine angenehme Nacht hatten und am nächsten Tag entspannt Richtung USA starten konnten.

Nach einem wirklich guten Frühstück im Hotel, brachte uns der ebenfalls inkludierte Shuttlebus in wenigen Minuten zum Flughafen. Nachdem wir unser Gepäck aufgegeben hatten, bummelten wir noch etwas in den Geschäften, deckten uns mit Zeitschriften ein und schwitzten vor uns hin, da der Flughafen nur äußerst dezent klimatisiert war... Die Maschine war nahezu ausgebucht, weshalb wir froh waren, schon im Oktober eine Sitzplatzreservierung vorgenommen zu haben. Wir hatten die beiden Plätze in der letzten Reihe der Boeing 747 gebucht, da diese sich nach hinten verjüngt, sodass wir einen Fenster- und einen Gangplatz direkt nebeneinander hatten. Diesen verteidigte ich natürlich, als sich doch noch ein Problem auftat...

Und eben dieses Problem wurde bei der Präsentation des Sicherheitsvideos deutlich: Ausgerechnet der Bildschirm meines Mannes funktionierte nicht! Auch bei Erreichen der Reiseflughöhe blieb der Monitor dunkel. Und das meinem "guckfreudigen" Mann auf einem Langstreckenflug... Zu allem Überfluss wurde auch noch das EM-Viertelfinalspiel Deutschland - Slowakei direkt übertragen. Nachdem ein netter Flugbegleiter erfolglos sein Bestes versucht hatte, kam die Purserin mit einem Angebot: Sie hätte doch noch einen Passagier gefunden, der sich bereit erklärt hätte, seinen Platz mit mir zu tauschen, so dass mein Mann und ich in der Mittelreihe mit funktionierendem Bildschirm nebeneinander sitzen könnten. Na, das lehnte ich doch dankend ab! Der Fensterplatz war meiner! Angesäuert dampfte die Purserin ab, sagte jedoch einen Gutschein zu, den wir aber nie erhalten haben. War der Service bei Lufthansa sonst wieder super, musste doch wieder etwas schief gehen... 

die Arktis von oben
die Arktis von oben

Der Flug war angenehm (mein Bildschirm ging ja...!) und kürzer als erwartet. Nachdem wir die Arktis, den Columbia River und die kanadischen Rocky Mountains überflogen hatten, fragte der Steward, ob man schon Mount Rainier sehen könne. Ich konnte ihm leider nicht antworten, da für mich alle schneebedeckten Gipfel gleich aussehen. Doch dann plötzlich sah ich ihn: Mount Rainier! Dieser mächtige Vulkankegel stach nun wirklich hervor! Wunderschön und erhaben tauchte er unter der Tragfläche auf. Nach etwas über 9 Stunden Flug, waren wir also endlich an unserem Ziel angekommen.

Ein erster Blick auf Mount Rainier
Ein erster Blick auf Mount Rainier

Nach dem Einreiseprozedere (wie schon letztes Jahr per Automat ) und dem wie immer bangen Warten am Gepäckband, fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein mit dem Shuttlebus zur Mietwagenstation. Der nette Busfahrer betätigte sich parallel sogleich als Reiseführer und gab via Mikrofon erste nützliche Tipps für den Aufenthalt. An der Alamo-Station schnappten wir uns einen brandneuen Kia "Sorrento" und fuhren zu unserem Hotel mitten in Seattle. Bereits auf der Fahrt auf dem Highway fielen die vielen Zelte unter den Brücken auf. In dieser Gegend schien es viele Obdachlose zu geben. In Seattle waren einige Straßen gesperrt, was die Zufahrt zu unserem Hotel recht kniffelig machte.Später stellte sich heraus, dass anlässlich des Anschlags auf den Homosexuellen-Club in Orlando "Pride-Day" in der Stadt war. Schwule und Lesben zelebrierten und präsentierten sich stolz mit Musik und Kundgebungen, zudem war überall in der Stadt die Regenbogenflagge gehisst. Irgendwann schafften wir es dann auch zu unserem schönen "Alexis"-Hotel, checkten ein und stürzten uns ins bunte Getümmel.

Seattle, WA

Waterfront
Waterfront

Da unser Wagen beim teuren Valet-Parking ($43 pro Tag) gerade verschwunden war, machten wir uns sogleich zu Fuß auf den Weg. Nach einem großen Schluck der in der Lobby kostenlos kredenzten Limonade machten wir uns zunächst auf den Weg zur Waterfront am Puget Sound. Die gesamte Waterfront ist durch den vielbefahrenen zweigeschossigen Hwy 99 von der Innenstadt abgetrennt, dennoch ist es kein Problem die Straße zu queren. Bereits auf diesem kurzen Weg vom Hotel zum Alaskan Way fiel auf, wie steil doch die Straßen hier sind. In den Beinen fühlte es sich an wie ein Spaziergang durch San Francisco... Zu Zeiten des Goldrauschs in Alaska war die Waterfront als "The Gold Rush Strip" berühmt. Sie reicht von Pier 51 im Süden bis Pier 70 im Norden. Seit 2012 ziert das 53m hohe Great Wheel Pier 57. Von Pier 57 und 56 legen Fähren und Boote ab, Ausflugsboote und Fähren zum Tillicum Village starten vom Pier 55. In diesem Jahr wurde an der Waterfront viel gebaut, so scheint bald  ein neuer Einkaufskomplex dem Pier 56 Konkurrenz zu machen. 

 


Seafood Feast im "CrabPot"
Seafood Feast im "CrabPot"

Pünktlich zur Kaffeezeit verspürten wir ein Hüngerchen und stellten mit Freude fest, genau vor dem bereits von unserem DMAX-Freund Adam Richman besuchten "CrabPot" zu stehen. Da uns nicht nach Kaffee und Kuchen, sondern etwas Herzhaftem war, kehrten wir doch prompt zum Seafood Feast ein und waren schwuppdiwupps schon mit Kleckerlatz und Holzhammer ausgestattet. Wenn wir doch schon mal hier waren, bestellten wir natürlich auch gleich das teuerste "The Alaskan"-Feast. Vorweg gab es noch ein ganzes Weißbrot mit Butter und dann kam der große Topf Meeresspezialitäten, die einfach auf den Tisch gekippt wurden. War das lecker! Und das Beste war: Wir sollten den ganzen Urlaub kein übersteigertes Verlangen mehr nach Seafood haben...

Space Needle
Space Needle

Pappsatt wackelten wir nun noch zur Space Needle, die schon zwischen den Häusern hindurchlukte. Auf dem Weg dorthin begegneten uns immer mehr teils sogar ganz nackte Menschen, die den "Pride-Day" feierten. Direkt unterhalb der Space Needle im Seattle Center war am meisten los, sogar das Swat-Team patrouillierte, was dazu führte, dass mich gleich ein mulmiges Gefühl beschlich. Homosexuelle, Touristen an einem städtischen Wahrzeichen - ein prädestiniertes Anschlagsziel. So weit ist es schon heute... Diesen Gedanken versuchte ich schnell zur Seite zu fegen und mich wieder auf das futuristische Bauwerk vor meiner Nase zu konzentrieren. Das Seattle Center ist ein 30ha großes Gelände im Nordwesten der Stadt, das für die Expo 1962 mit modernen Gebäuden ausgestattet wurde. Hierzu gehört eben auch die 184m hohe Space Needle. Wir kauften für $36 p.P. ein Kombi-Ticket für die Fahrt auf das Observation Deck und den direkt neben der Space Needle liegenden Chihuly Garden & Glass. Wer noch mehr in Seattle besichtigen möchte, für den lohnt sich auch der City Pass für $75 p.P., der dann Zugang zu sämtlichen Museen und Sehenswürdigkeiten gewährleistet. 

Nachdem wir uns noch etwas im Souvenirshop der Space Needle umgesehen hatten, fuhren wir nach einer knappen Taschenkontrolle (an diesem Tag für mich wenig beruhigend) mit dem Fahrstuhl aufs Observation Deck. Hier bei Sinatra-Musik musste ich doch gleich schon wieder ein bisschen vor Freude weinen. An diesem klaren Tag bot sich uns ein grandioser Rundumblick bis zu Seattles Hausberg Mount Rainier.

Chinook-Totem
Chinook-Totem

Auf der Rasenfläche unterhalb der Space Needle steht ein großer Totempfahl der hier ursprünglich ansässigen Chinook-Indianer. Wer mehr über die Chinook erfahren möchte, sollte einen Ausflug zum Tillicum Village auf Blake Island machen. Fähren fahren von Pier 55 auf die rund 13 km im Puget Sound vorgelagerte Insel, auf der 1959 der Blake Island State Park eingerichtet wurde. Teil des State Parks ist das alte indianische Fischerdorf Tillicum, in dem die Indianer den Besuchern ihre Kultur und Lebensweise demonstrieren. Auch der namensgebende Häuptling Seathl soll auf dieser Insel geboren worden sein. Tillicum bedeutet in der Chinook-Sprache "freundliche Menschen". Im Rahmen eines Ausflugspakets kann man auch an einer indianischen Mahlzeit teilnehmen und z.B. auf traditionelle Weise geräucherten Lachs, Muschelsuppe und Tillicum-Brot genießen. Das 4-stündige Paket mit Dinner und Show kostet ca. $80 p.P., nur die Überfahrt kostet ca. $40 p.P. (www.argosycruises.com)!

Nach diesem kurzen Ausflugstipp wieder zum Seattle Center: Gleich neben der Space Needle befindet sich das von Frank Gehry erbaute EMP (Experience Music Projekt), bei dem es sich um eine Erinnerungsstätte an Jimmy Hendrix, Nirvana und den Rock'n'Roll handelt. Im gleichen Bau untergebracht ist außerdem das Science Fiction Museum and Hall of Fame, in dem gerade eine Star Trek-Sonderausstellung war. Da es schon recht spät war und wir ja schon Karten für das Glas-Museum hatten, sahen wir von einem Besuch ab, obwohl es bestimmt lohnend gewesen wäre.

( www.empsfm.org  / $19 p.P. ) Mehr oder weniger mitten durch das EMP fährt die Monorail. Von hier aus bieten sich auch interessante Blicke auf die Space Needle.

Wir bewunderten das futuristische Bauwerk lieber nur etwas von außen. Lichtfärbungen und -brechungen, sowie auch Spiegelungen boten dabei alle paar Schritte ein neues Motiv.

Chihuly Garden of Glass & Museum
Chihuly Garden of Glass & Museum

Dann sahen wir uns den erst 2012 eröffneten Garden of Glass & Museum an und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. So schön war es hier: Fantastische meterhohe Glasskulpturen standen in dunklen Räumen oder hingen von den Decken; oder bildeten sogar die Decke. Draußen unterhalb der Space Needle standen gigantische Glaskunstwerke in Form von Blüten und Gewächsen zwischen echten Pflanzen. So ein schönes, besonderes Museum habe ich noch nie gesehen. Ein Besuch ist unbedingt empfehlenswert!

Nach dem Besuch dieses einmaligen Museums traten wir den Rückweg zum Hotel an. Mittlerweile schmerzten meine Füße und die nunmehr 24 Stunden ohne Schlaf machten sich deutlich bemerkbar. So gingen wir auch umgehend ins Bett und freuten uns auf den nächsten Tag.

Rundgang durch Seattle

"Hammering Man" vor dem SAM
"Hammering Man" vor dem SAM

Am 27.Juni standen wir (wie komischerweise immer im Urlaub) früh auf, bedienten uns am leckeren Kaffee in der Lobby und machten uns auf, die nördlichste Stadt der kontinentalen USA weiter zu erkunden. Seattle liegt auf einer im zentralen Bereich nur 4km breiten, hügeligen Landenge zwischen einem tief nach Süden reichenden Meeresarm (dem Puget Sound) und dem fast 30km langen Binnensee Lake Washington. Schon mehrfach wurde Seattle zur lebenswertesten Stadt der USA gewählt. Die Kaskaden im Osten und die Olympic Peninsula im Westen bewahren den Ort vor extremen klimatischen Schwankungen. Warmes, wechselhaftes Sommerwetter mit jedoch selten mehr als 25°C und milde Winter mit hohen Niederschlagsmengen sorgten für den Ruf der Stadt als "Rain Capital" der USA, obwohl es durchaus noch einige regenreichere Orte gibt. Da ist der Name "Emerald City" schon ansprechender, zumal wir ja über das Wetter nichts Negatives sagen können.

So spazierten wir die 1st Ave Richtung Norden entlang, wobei wir zunächst das Seattle Art Museum (SAM) mit der Skulptur des "Hammering Man" passierten. Wer sich für afrikanische oder indianische Kunst interessiert, ist dort genau richtig.

Pike Place Market

Wir Kunstbanausen interessierten uns jedoch eher fürs Frühstück und gingen schnurstracks weiter zum nahen Pike Place Market. Er ist der älteste kontinuierlich betriebene Bauern- und Fischmarkt der USA aus dem Jahr 1907. Wir waren so früh dort, dass noch nicht einmal alle Stände geöffnet hatten. So sahen wir uns erstmal etwas um und entdeckten auch den im April 1971 eröffneten, weltweit ersten "Starbucks"-Coffee Shop, vor dem sich schon eine lange Schlange gebildet hatte. Noch länger war allerdings die Schlange vor einem kleinen russischen Backshop, wo es Pirogen in sämtlichen Varianten gab. Davon mussten wir kosten und bestellten eins mit Apfel und eins mit Knoblauch. Warm und lecker!

Rachel- das Pike Place Maskottchen
Rachel- das Pike Place Maskottchen

Unser warmes Gebäck in der Tüte, schlenderten wir zum Hauptgebäude des Marktes zurück und probierten noch leckeres, regionales Obst. Die Pfirsiche und Nektarinen waren so groß und saftig, dass wir unbedingt das russische Frühstück damit ergänzen mussten. Dann wollte die Beute nur noch verspeist werden. Gut gesättigt schauten wir noch den berühmten Fischhändlern des Marktes zu, die jede Bestellung laut wiederholen und den Fisch in hohem Bogen werfen. Mittlerweile war es schon sehr voll auf dem Markt, so dass man Rachel vor dem Fischstand kaum sehen konnte. Rachel ist ein Bronzeschwein und das inoffizielle Maskottchen des Marktes. Es wurde von der lokalen Künstlerin Georgia Gerber entworfen und steht seit 1986 unter dem großen Eingangsschild. 

Im Untergeschoss der Markthalle gab es auch noch einige Geschäfte, von denen jedoch nicht alle geöffnet hatten. Ein Shop handelte einzig mit alten Filmplakaten, Werbeplakaten und alten Original-Zeitschriften und Comics. Angrenzend war auch diese Kuriositäten-Jahrmarkt-Wand.

Century Link Field
Century Link Field

Gut gestärkt machten wir uns dann auf den Weg zum Pioneer Square Historical District. Mittlerweile war es schon richtig warm und ging natürlich wieder ziemlich bergauf, was mit russischem Hefegebäck im Bauch ganz schön anstrengend war. Zunächst landeten wir an der "Pioneer Square Station", einem kleinen Platz in einer wenig schönen Gegend, an dem es nur so von Obdachlosen wimmelte. Schön war es dort nicht. Da die Ausschilderung eher suboptimal war, folgten wir dem kleinen Schild zum "Klondike Gold Rush National Historic Park", der jedoch gar kein Park, sondern ein kleines Museum mit obligatorischem Gift-Shop und kleinem Kino ist. Hier wird mit Filmen und Exponaten daran erinnert, dass Seattle durch die Fertigstellung des nördlichsten transkontinentalen Schienenstrangs durch die USA 1893 zum Ausgangspunkt der Abenteurer in die Goldrauschgebiete am Klondike und in Alaska wurde. Der Eintritt war frei und wir nutzten natürlich den Besuch zum Abkühlen und der Visitation der sauberen Restrooms. An der Ecke Main Street / 2nd Ave befindet sich der kleine und nicht lohnende "Waterfall Garden Park". Nachwievor eher orientierungslos gingen wir zum neugebauten "Century Link Field"-Stadion, wo auch endlich der Pioneer Square wieder ausgeschildert war. Vorbei an dem modernen Stadion und Geschäftshäusern ging es nun endlich in den ältesten Teil der Stadt.

Occidental Square im Pioneer Square Historical District
Occidental Square im Pioneer Square Historical District

Am Occidental Square begutachteten wir die Firefighter-Skulptur und die indianischen Totempfähle. Der Platz gehört bereits zum Pioneer Square Historical District, in dem sich die ältesten Gebäude der Stadt, sowie Straßenlaternen von 1908 befinden. Im zentralen Pioneer Park steht ein 18m hoher Totempfahl der Tlingit-Indianer, der jedoch leider eingerüstet war. Direkt hinter dem kennzeichnenden Totempfahl am Pioneer Square erkundeten wir uns nach den "Bill Speidel Underground-Touren". Doch waren wir dann doch irgendwie schon so früh zu schlapp und fußlahm, um für $25 p.P. 60 Minuten nonstop auch noch unter der Stadt herum zu laufen. Dabei sind die Touren bestimmt sehr aufregend und unterhaltsam ( www.undergroundtour.com ). Hintergrund: Im November 1851 errichteten Siedler aus dem Osten ihre Holzhäuser nahe der Elliott Bay und benannten den so entstandenen Ort nach dem lokalen Indianerhäuptling Sealth. 1889 wurden große Teile des Ortes aber durch einen Brand zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte ein Stockwerk höher, also 10m über den Gassen und Ruinen der zerstörten Siedlung. Auf diese Weise blieb der "Underground" der Pioniersiedlung erhalten und kann heute entsprechend besichtigt werden.

Wir gingen lieber noch einmal zum Waterfront Park und aßen dort ein leckeres Schokoladeneis. Eine Kugel kostete hier beachtliche $5,95. Innerlich gut abgekühlt stapften wir wieder hinauf zu unserem Hotel, um noch ein paar weiter entfernte Sehenswürdigkeiten mit dem Auto abzufahren. So verließen wir zunächst das Stadtgebiet, um vom "Stadtstrand" der Metropole - dem Alki Beach - einen Blick auf die Skyline zu werfen. Sehr schön war es hier und der Strand stimmte schon ein wenig auf die uns noch erwartenden Driftwood Beaches am Pazifik ein.

Blick auf die Skyline vom Alki Beach
Blick auf die Skyline vom Alki Beach
Fremont Troll
Fremont Troll

Nachdem wir noch durch die gepflegten Straßen mit den schönen Häusern dieser in den Puget Sound ragenden Landzunge gefahren waren, wollten wir noch den Fremont Troll unter der Aurora Bridge besuchen. Hierbei handelt es sich um einen 5 Meter hohen Zementkobold mit einem echten einbetonierten VW-Käfer in der Hand

( 3405 Troll Ave North ). Als wir die Straße hinauf fuhren, schaute uns der Koloss schon entgegen, bis eine lauffaule Mutti mit ihrem Van von der Seite kam und direkt vor dem Troll parkte, so dass ein Bild nicht mehr möglich war. Doch nicht nur das: Die ließ doch in aller Ruhe noch ihre Brut aussteigen und auf dem Kobold rumklettern, obwohl schon reichlich Leute darauf warteten, ein Foto zu machen. So was Rücksichtsloses! Da musste ich ja mal wieder ein Bisschen pöbeln! 

Vom Fremont Troll war es nicht weit zum Kerry Park, bei dem es sich eigentlich nur um eine kleine Grünanlage in einem Wohngebiet auf einem Hügel nordwestlich des Zentrums handelt. Doch hat man hier die klassische Postkartenansicht auf Space Needle, Skyline und sogar Mount Rainier (211 West Highland Drive ).

Blick vom Kerry Park
Blick vom Kerry Park

Dann kauften wir noch bei "Safeway" Getränke und Sonnenspray, da es am übernächsten Tag weiter in die Natur gehen sollte. Danach fuhren wir ein letztes Mal zum Seattle Center, wo wir uns eigentlich doch noch die Star Trek-Ausstellung angucken wollten. Leider war dies nur in Verbindung mit der Pop-Exhibition möglich ( $25 + $5 p.P. für Star Trek ). Hier hätte sich der City Pass gerechnet, aber hätte hätte liegt im Bette und wir ließen es sein. So tranken wir noch ein Glas Wein in der Hotellobby ( ebenso gratis wie der Morgenkaffee und die Limonade ) und gingen recht früh ins Bett.

Tagestour nach Kanada --> Capilano Suspension Bridge Park

Am 28.06.standen wir mal wieder zeitig auf, da es heute nach Kanada gehen sollte. 250km lagen vor uns und an der Grenze nach Kanada war ebenfalls mit Wartezeit zu rechnen. So fuhren wir zunächst bei grauem Himmel und mit bereits leichtem Kopfschmerz 180km bis zur Grenze. Da nicht alle Stationen besetzt waren, dauerte die Einreise tatsächlich ziemlich lange. Doch dann waren wir endlich in Britisch Columbia und auch der Himmel riss auf. Über die markante Lions Gate Bridge ließen wir Vancouver zunächst links liegen, da unser erstes Tagesziel der Capilano Suspension Bridge Park sein sollte.Nicht ohne Grund ist dieser Park eine der Hauptattraktionen bei Vancouver. Der Park ist sehr schön angelegt und gibt an Schautafeln zunächst Informationen über die Pioniere, aus deren Visionen Vancouver und die Suspension Bridge entstanden. Dann passiert man einige sehr fotogene Totempfähle auf dem Weg zum Trading Post Gift Shop, vor dem gerade eine nette Combo musizierte.

Direkt am Trading Post ist der Zugang zur Capilano Suspension Bridge. Über diese 137m lange Hängebrücke überquert man auf 70m Höhe den Capilano River, um in den gegenüberliegenden North Shore Regenwald zu gelangen. Besonders die ersten Schritte auf der zur Brücke führenden Treppe sind eine wackelige Angelegenheit.

Auf der anderen Seite der Brücke befanden wir uns dann direkt im gemäßigten Regenwald. Hier startete das Treetops Adventure, bei dem man über sieben Hängebrücken durch einen beeindruckenden Altbestand von Douglasien wandelte. Wieder auf dem Boden präsentierte sich gerade noch ein Greifvogel beim Raptors Ridge.

Wieder auf der anderen Brückenseite, direkt hinter dem Trading Post wurde 2011 der Cliffwalk errichtet. Dabei handelt es sich um einen Weg aus Stahl, Holz und zum Teil Glas, der am Steilhang über die Bäume hinwegführt. Das markanteste Merkmal ist ein Halbkreis, der sich etwa 5m von der Felswand entfernt.

Der Besuch hier hat sich sehr gelohnt und war den stolzen Eintrittspreis von $32 p.P. auf jeden Fall wert. Wo kann man sonst über den Wipfeln eines gemäßigten Regenwalds flanieren ?

( 3735 Capilano Road, North Vancouver BC V7R4J1 )

Vancouver BC

Gastown
Gastown

Nach Natur pur, wollten wir nun auch noch die vermeintlich attraktivste Großstadt Kanadas besuchen: Vancouver mit seiner unübertroffenen Lage zwischen Küstengebirge, Fraser River und Meer.  Die erste Siedlung gründeten erfolglose Goldsucher 1858. Offiziell als Gründer gilt John Deighton, besser bekannt als Gassy Jack, der bei seinem Eintreffen 1867 ein Fass Whisky im Gepäck hatte und auch prompt einen Saloon eröffnete. Eben wegen dieses Gassy Jacks wurde die Siedlung zunächst Gastown genannt, erhielt jedoch bereits drei Jahre später die offizielle Bezeichnung Granville. Im Laufe der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts verkam dieser ursprüngliche Ortskern allmählich und entging Ende der 1960er Jahre nur knapp einer Totalsanierung. Stattdessen wurde der Stadtteil zur denkmalgeschützten Heritage Site erklärt und zählt nun zu Vancouvers touristischen Hauptanziehungspunkten.Wahrzeichen ist die dampfbetriebene Steamclock, die alle 15 Minuten und besonders zur vollen Stunde ein Pfeifkonzert gibt. Naja, das sogenannte "Pfeifkonzert" erwies sich zur Viertelstunde eher als schlaffes, kurzes Tuten. 

An Gassy Jack erinnert immer noch ein Denkmal, das ihn auf einem Whiskyfass darstellt. Hier war es wirklich schön! Allerdings quälte mich mein Kopf doch sehr und es gab nirgends eine Pharmacy... 

Von Gastown war es nicht weit zum Canada Place an der Waterfront. Dieses Wahrzeichen der Stadt wurde 1986 zur Expo als kanadischer Pavillon eingeweiht und beherbergt heute das Convention Centre. Von hier aus kann man auch den zahlreichen Wasserflugzeugen bei Start und Landung zusehen. Nachdem wir hier noch eine Weile das schöne Wetter und die angenehme Atmosphäre genossen, gingen wir vorbei an der Central Station zu unserem Auto, dass wir ( sehr zu empfehlen!!!) im Parkhaus des Harbor Centre ( 555 West Hastings ) abgestellt hatten. Hier befindet sich zugleich der der Space Needle ähnelnde  167m hohe Harbour Tower mit der Aussichtsplattform "Vancouver Lookout" im 40.Stockwerk. Vancouver ist wirklich eine Reise wert und man hätte sich noch viel mehr anschauen können, wobei besonders der Stanley Park zu erwähnen wäre. Aber ich konnte bei aller Liebe nicht mehr: Mein Kopfschmerz war zu einer fiesen Migräne geworden! Also verließen wir Kanada wieder und kehrten nach Seattle zurück, wo ich umgehend ins Bett ging.

 

                              Canada Place / Port of Vancouver:

Downtown Vancouver:

Central Station:

Harbour Tower:

Vancouver hat uns sehr gut gefallen und wir hätten uns hier noch viel mehr anschauen können, doch waren Zeit und mein immer pochenderer Schädel dagegen. Für Leute mit mehr Zeit lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch im Stanley Park, dem größten Stadtpark Kanadas, der sich auf einem Einbahn-Rundkurs auch per Auto befahren lässt. Die Route verläuft überwiegend als Uferstraße, auf der man neben vieler Aussichtspunkte auch eine Gruppe hoher Totempfähle der Haida-Indianer passiert. Auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad genießt man auf der 9 km langen Seawall Promenade wunderbare Ausblicke auf Stadt und Hafen, die Coast Mountains und über die English Bay. Im Stanley Park befindet sich auch das Vancouver Aquarium. Naja, nächstes Mal...

Die Wiedereinreise in die USA ging zum Glück sehr schnell und so waren wir wieder im schönen Washington.

Auf der Road to Paradise

Zum Glück ging es meinem Kopf am 29.Juni wieder besser, sodass wir fit und munter die Fahrt zum Mount Rainier NP antreten konnten. Und diese Fahrt war wunderschön. Als wir Seattle früh morgens verließen, war meine Stimmung trotz genesenen Kopfes jedoch zuerst etwas getrübt, denn der Himmel war ein einziges Grau in Grau und ließ unser sonst so gut sichtbares heutiges Ziel nicht einmal erahnen. Nach ca. 120 km durch öden Niesel fuhren wir schließlich auf die "Road to Paradise", die auch sogleich ihrem Namen alle Ehre machte. Die 38 km lange Strecke zwischen dem 9,5 km vor dem Nisqually Entrance gelegenen Ashford und dem Ort Paradise ist eigentlich nichts anderes als die WA-706, die innerhalb des National Parks eben so heißt. Doch passt der Name hier wirklich im doppelten Wortsinn: Nicht nur dass der Himmel aufriss, auch die Natur war hier fantastisch mit gemäßigtem Regenwald und Wasserfällen am Fuße des schneebedeckten Mount Rainiers. Unser erster Stopp waren die Christine Falls direkt an der Straße. Zuvor noch ein Bild unseres treuen Mietwagens:

Am Nisqually Entrance kauften wir uns den Interagency Annual Pass für $80, der sich schon beim Besuch von vier Nationalparks amortisiert.

Kurz hinter dem Parkeingang stürzten auch schon die Christine Falls direkt neben der Straße hinab.

 

Christine Falls:

Nur 1,6 km entfernt rauschten dann schon die 51m hohen Narada Falls, die man nach einem kurzen aber steilen Abstieg in ihrer ganzen Pracht bewundern konnte:

Mount Rainier NP

Bei allerbestem Wetter erreichten wir schließlich das Henry M. Jackson Visitor Center in Paradise, neben dem sich auch unser Hotel befand. Fast hätten wir Paradise schon wieder verlassen, ohne richtig dort gewesen zu sein, denn die Straße wird gleich hinter dem Hotelparkplatz zur Einbahnstraße. Wir dachten jedoch, dort vielleicht noch einen Erweiterungsparkplatz zu finden... Zum Glück kam niemand von hinten, so dass wir rechtswidrig rückwärts zurück fahren konnten. Hat ja niemand gesehen...

Da es noch früh und deshalb unser Zimmer noch nicht vorbereitet war, machten wir uns zuerst auf Wanderschaft. Praktischerweise starten die gletschernächsten Trails des Parks direkt am Visitor Center.

 

Nisqually Vista Trail:

 

Der Nisqually Vista Trail ist ein kurzer Rundweg, der von mehreren Aussichtspunkten aus einen Blick auf den für die Namensgebung verantwortlichen Gletscher Nisqually gestattet. Als Variante kann man die Wanderung bei den Steinstufen des oberen Parkplatzes beginnen, wo es zu den "Flower Trails" geht. Dann startet man mit dem Avalanche Lili Trail und stößt kurz vor dem Parkplatz auf die Abzweigung des Nisqually Vista Trail ( 2 km / 1 Std.).

 

Alta Vista Trail:

 

Das Besondere an den Aussichten dieses Weges ist, dass sie auch an wolkenverhangenen Tagen reizvoll sind. Der Weg ist zudem asphaltiert. Start ist an den Steinstufen des VC, die zum Beginn der Wanderwege führen. Anfangs geht es recht steil hinauf. Unterwegs sieht man Blumen über Blumen ( so sie nicht mehr unter dem Schnee schlafen...)! (2 km / 1 Std.)

 

Über den Deadhorse Creek zum Glacier Vista:

 

Im Vordergrund dieser Tour stehen Tierbeobachtungen und Panoramen. Der Weg führt zunächst über den Skyline Trail an den Steintreppen hinter dem VC hinauf. An einer Kreuzung dem Wegweiser zum Deadhorse Creek folgen. An einer weiteren Kreuzung folgt man links dem Morraine Trail, danach geht es durch Wiesen bergauf und es bietet sich eine herrliche Vegetation mit Blumen in allen Farbtönen. Am Aussichtspunkt Glacier Vista hat man einen direkten Blick auf den Nisqually Gletscher, dessen Moräne man sehr gut erkennt. Aus der Wanderung kann man einen kleinen Rundweg machen und vom Aussichtspunkt aus über einen Bogen bergaufwärts zuerst den Skyline Trail und später den Alta Vista Trail erreichen, dem man schließlich bis fast zum VC bergab folgt ( 5 km / 2.5 Std.).

 

 

Welche Trails wir letztlich gegangen sind, kann ich gar nicht sagen; wir sind einfach drauflos marschiert. Oft waren die Wege auch gar nicht zu erkennen, da noch überall Schnee lag. Entsprechend sahen wir auch nur vereinzelte Blümchen, die schon ihren Kopf  herausreckten. Zunächst war ich noch enttäuscht, dass die kunterbunten Wiesen fehlten, doch freute ich mich mehr und mehr an der weißen Pracht, mit der man sich herrlich abkühlen konnte auf unserer langen Wanderung. Das Schmelzwasser plätscherte überall hinunter und die Murmeltiere suchten das erste  Grün. Teilweise liefen wir ganz alleine auf den Wegen und genossen die fantastische Natur. Deshalb heißt der Ort wohl auch Paradise...!

Die Landschaft war traumhaft schön, so dass wir gar nicht merkten, wie die Zeit verging. Komischerweise wurden auch die Füße gar nicht schwer bei dieser Wanderung durch Postkartenkulissen.

Nach diesem herrlichen Naturerlebnis marschierten wir zu unserem Hotel und erholten uns ein wenig auf der Aussichtsterrasse. Was für ein schöner Tag!

Dann checkten wir endlich im "Paradise Inn" ein. Es ist das einzige Hotel in Paradise, dem Zentrum des Mount Rainier NP und hat nur Sommerbetrieb. Seine Lobby erinnerte stark an das "Old Faithful Inn" im Yellowstone NP, nur dass dort die Zimmer noch etwas moderner waren. Hier zahlte man wirklich mal wieder nur die Lage direkt am mit 4400m höchsten Berg der Kaskaden. Aber was soll ich sagen: Die Lage ist die €99 p.P. / Nacht OV trotzdem wert! Allerdings vermisste ich den Fernseher dann doch schmerzlich, hätte er mich doch vielleicht etwas von meinen Qualen abgelenkt...

Nachdem ich noch bei einem Gläschen Merlot die Postkarten an einem großen Holztisch in der Lobby geschrieben hatte und dem Klavierspieler gelauscht hatte, war endgültig Schlafenszeit. Da es draußen plötzlich wieder sehr grau und äußerst kalt geworden war, nahm ich eine heiße Dusche und bekam danach prompt Schüttelfrost und solche Schmerzen, dass ich gar nicht wusste wie ich liegen sollte: Ich hatte mir einen ganz fiesen Sonnenbrand eingefangen. Wir sind eben nicht bergerprobt...!

Am nächsten Morgen brachen wir schon wieder früh auf, aber länger liegen hätte ich ohnehin nicht gekonnt. Beim Blick aus dem Fenster fehlte plötzlich etwas: Mount Rainier war verschwunden! Oder schieben sie den erst hin, wenn die ersten Touribusse kommen? Nein, es war so diesig, dass man die Hand vor Augen kaum sehen konnte. Zum Glück hatten wir die Wasserfälle an der Paradise Road schon gestern besucht, heute hätten wir sie gar nicht gesehen. Zudem war wegen einer ellenlangen Baustelle von dieser Seite kaum ein Herankommen an die Parkplätze. Doch vielleicht würde es ja auch heute noch etwas aufreißen...?!

Über 200 km Fahrt lagen nun vor uns, denn wir wollten zum berühmtesten Vulkan der Cascade Range, dem Mount St. Helens. Die Cascade Range ist eine 1130 km lange Gebirgskette vulkanischen Ursprungs, die parallel zur Westküste Nordamerikas verläuft.

Mount St. Helens Nat. Volcanic Monument

 

 

Auf dem Spirit Lake Memorial Highway ( WA-504W) näherten wir uns dem Mount St. Helens. Im Gegensatz zu Mount Rainier hat dieser Vulkan keine geschlossene Kuppe mehr, da bei seinem Ausbruch im Jahr 1980 rund 400m der 2950m hohen Kuppe abgesprengt wurden. Auf unserem Weg begleiteten uns dann auch Lavafelder, geknickte Bäume und eine veränderte Vegetation.

Anders als im Mount Rainier NP blühte hier schon alles auf dem kargen Boden. Überall lauerten die putzigen Chipmunks und auch die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Auch hier war es wunderschön und ich wusste gar nicht, was ( oder wen ) ich zuerst fotografieren sollte. Hier eine Auswahl:

Schließlich erreichten wir das Johnston Ridge Visitor Center & Observatory. Diese Aussichtsplattform auf 1266m Höhe ist nach dem Geologen David A. Johnston benannt, der bei dem Vulkanausbruch am 8.Mai 1980 im Dienst ums Leben kam. Von hier hat man auch einen einzigartigen Blick in den Krater des noch dampfenden Mount St. Helens. Auch Mount Adams war zu sehen.

Besonderes Highlight an diesem faszinierenden Ausflug ins Vulkangebiet war der Besuch des Kinos im Johnston Ridge VC. Hier sahen wir einen beeindruckenden Film über die Region vor dem Ausbruch, Originalaufnahmen des Ausbruchs, sowie die Rückeroberung durch Tiere und Pflanzen bis heute. Am Ende hob sich der Vorhang und wir blickten direkt auf die Originalkulisse. Als ich das realisierte, musste ich erstmal wieder etwas weinen... 

Portland, Oregon

Zwar hätten wir durchaus noch länger im Vulkangebiet bleiben, einen Trail laufen oder z.B. zum Spirit Lake gehen können, doch erwartete man uns in Portland, wo ich das wunderschöne Bed & Breakfast "The Lion and the Rose" gebucht hatte. Nachdem wir die Stadt erreicht hatten, kauften wir jedoch erst einmal After Sun - Lotion bei "Safeway" für meine verschmorte Haut. Am frühen Abend checkten wir schließlich in unserer Unterkunft ein. Dusty, der Inhaber wartete schon und führte uns sogleich durch die viktorianische Villa.Wir durften uns hier überall frei bewegen und an der Candy Bar und in der Küche rund um die Uhr bedienen. Als wir erwähnten, das Gebäude bereits in der Serie "Grimm" gesehen zu haben, taute Dusty richtig auf und führte uns sogar in seine Privatgemächer unter dem Dach, wo er sogleich sämtliche Requisiten hervorzauberte. Er schenkte uns sogar einen Flyer aus der Serie, in der das B&B "Bramble House" hieß und sogar eine andere Adresse hatte. Wir haben es trotzdem gefunden!

 

Hier nun ein paar Bilder des Gebäudes und unseres Zimmers im "The Lion  & the Rose":

Nachdem wir also das ganze Haus von oben bis unten erkundet hatten, spazierten wir noch ein wenig durch das Wohngebiet Historic Irvington, in dem die ältesten und schönsten Häuser Portlands stehen. Hier lässt es sich bestimmt gut leben in den ruhigen Straßen mit den großen, schattenspendenden Bäumen. Zu Abend aßen wir ein Steak bei "Applebee's" und gingen recht früh ins Bett. Doch trotz des Kühlgels war an eine entspannte Nacht nicht zu denken, da das Liegen in allen Positionen schmerzte.

Nach einer entsprechend eher unbequemen Nacht frühstückten wir lecker am großen Tisch unseres B&B's. Wie immer ergaben sich nette und interessante Gespräche mit den anderen Gästen. Nach unserem gestrigen Besuch des Mount St Helens konnten wir hier nun sogar mit Betroffenen des Vulkanausbruchs sprechen.

 

Gut gestärkt fuhren wir dann zum zentralen Pioneer Courthouse Square, um Portland zu erkunden. Um den Platz herum waren viele Brunnen mit niedlichen Tierskulpturen.

Wir schlenderten ein wenig die Straßen entlang, bis wir die Old Town erreichten. Hier gefiel es uns allerdings nicht so gut, da es weder ansprechende Geschäfte noch die hier erwarteten Mikrobrauereien gab. Stattdessen war es sehr schmuddelig und in jedem Eingang lag mindestens ein Obdachloser. Länger als nötig mochten wir uns hier nicht aufhalten. Auch die Foodcarts, auf die wir uns eigentlich so gefreut hatten, sahen nicht sehr einladend und hygienisch unbedenklich aus. Irgendwie ist Portland trotz (oder wegen ?) großer Erwartungen nicht unsere Stadt... 

Voodoo Doughnuts

 

 

Doch dann standen wir plötzlich vor einer pinken Oase in der schmuddeligen Altstadt: "Voodoo Doughnut"! Schwupps, standen wir auch schon in der mit pinken Absperrgittern wohlorganisierten, laaaaangen ( 10.00 Uhr morgens! ) Schlange und überlegten, was wir denn probieren wollten. Wir entschieden uns für die "Voodoo Doll", den "Homer Simpson"- und einen "Portland Cream"- Doughnut. Dazu noch kalte Milch und wir waren wieder froh... Wider Erwartens waren die Doughnuts gar nicht teuer und im Gegensatz zu den "weltberühmten" Pikes Peak-Doughnuts auch noch superlecker! Warum in unmittelbarer Nähe ein Foodcart mit Doughnuts stand, bleibt mir ein Rätsel...

 

( 22 SW 3rd Ave )

International Rose Test Garden

 

Leicht überzuckert gingen wir zurück zu unserem Auto und fuhren nun zum Rose Test Garden, der der Stadt den Beinamen "City of Roses" verschaffte. Auf der Fahrt kamen wir wieder an einem großen Foodcartspool vorbei, der viel ansprechender aussah, doch wir waren sooo satt nach unserem zweiten Frühstückchen. Die Downtown sah viel gepflegter aus und versöhnte uns etwas mit der Stadt. Schließlich erreichten wir den International Rose Test Garden, wo alte Rosensorten konserviert und kultiviert, sowie neue Arten gezüchtet werden. Der Eintritt ist frei und es duftet ganz wunderbar. Der in unmittelbarer Nähe gelegene Japanese Garden kostete $ 9,50 p.P., doch wir beschränkten uns nicht zuletzt wegen der Hitze auf den Besuch des Rosengartens. Im Anschluss fuhren wir noch ein bisschen im Washington Park, der wie der Central Park von Frederik Law Olmsted geplant wurde, umher. Ebenfalls im Washington Park befinden sich der Zoo und das riesige "World Forestry Museum".

Da noch viel vom Tage übrig war, beschlossen wir, den Historic Columbia River Highway entlang zu fahren und dort die berühmten Multnomah Falls zu besuchen. Also fuhren wir kurz zurück zum Hotel, um von Stadt- auf Wanderschuh zu wechseln und uns auf in die Natur zu machen. Mount Hood hatten wir bei der Fahrt zur Unterkunft immer im Blick ( oder er uns...? )

Columbia River Gorge National Scenic Area

Auf dem Historic Columbia River Highway fuhren wir zunächst zu den berühmten Multnomah Falls. Hier war es rappelvoll. Zunächst sahen wir uns kurz im Giftshop der Multnomah Lodge um, dann ging es immer weiter hinauf Richtung Klippe. Der Weg wurde immer länger anstatt kürzer und mein Sonnenbrand quälte in der Hitze auch schon wieder. Ne ne, das Sportlerass gab auf halber Strecke auf und tröstete sich damit, dass Wasserfälle von unten sowieso viel schöner sind...

Multnomah Falls

Dann fuhren wir ein Stück zurück zu den Wahkeena Falls, bei denen zuvor kein freier Parkplatz zu ergattern war. Hier war aber auch was los auf der schmalen, kurvigen Nebenstrecke.

Da uns ein Parkplatz anlachte, hielten wir auch noch spontan an der Oneonta Gorge, die für uns jedoch nicht sonderlich attraktiv war. Doch waren hier viele Menschen zum Baden. Da allerdings mehr Autos an der Straße standen, als Badende zu sehen waren, scheint es hier wohl ziemlich weit in die Schlucht hineinzugehen. Ein Officer war schwer damit beschäftigt, sämtliche Vehikel am Fahrbahnrand aufzuschreiben. Nichts wie weg, bevor der bei uns auch noch den Fehler im Bild findet...

An den noch folgenden Horsetail Falls waren ebenfalls viele Menschen im Wasser. Eine blöde Kuh (Sorry, aber das muss jetzt mal sein) hatte sogar ihren Baby-Dackel in das kalte Wasser gesetzt, um ein Foto zu machen. Während das winzige Bündel tropfnass vor Kälte zitterte, trocknete die hohle Frucht erstmal in aller Seelenruhe ihr Smartphone ab... Bei so etwas kann ich echt ausfallend werden! Ich war so wütend, dass ich kaum noch ein Auge für die wirklich schönen Wasserfälle hatte.

Nachdem ich mich genug aufgeregt hatte, fuhren wir den Scenic Byway in entgegengesetzter Richtung zurück bis zum Vista House, von wo aus man  einen fantastischen Blick über die Columbia River Gorge hat. In dem Aussichtshaus gab ein Männerchor eine Probe seines Könnens, was bei der Akustik gepaart mit dem Blick schon eine besondere Stimmung erzeugte.

Direkt am Scenic Byway fiel uns ein Restaurant ins Auge, das offensichtlich auf Huhn mit Klößen spezialisiert ist. Da der Parkplatz voll war, musste es wohl gut sein. Natürlich kehrten wir hier ein... Wir saßen an einem Tisch oberhalb des Sandy River und aßen wie bei unseren Großmüttern. Es roch und schmeckte wie bei Oma in der Küche!?  Die Dumplins waren böhmische Klöße, wie wir sie in den Osterferien in Prag gegessen haben. Es waren Riesenportionen und wird nicht unser Lieblingsessen...

Cottage Grove

Am 02.Juli frühstückten wir wieder am großen Tisch in unserem schönen B&B, wobei uns dieses Mal ein sehr eloquenter, älterer Herr gegenüber saß, der doch tatsächlich Norddeutschland bereist hatte und nun über die Besonderheiten des Plattdeutschen und das Theodor Storm - Haus in Husum plauderte. Das war mal eine Ausnahme, wo die Amerikaner doch Deutschland sonst nur mit Bayern gleichsetzen... 

Dann mussten wir uns auch leider schon wieder von Dusty und dem "The Lion and The Rose" verabschieden. Aber eine Haarnadel von mir ist immer noch dort, da ich sie auf dem wildgemusterten Zimmerteppich trotz akribischer Suche nicht wiederfinden konnte... Eigentlich wollten wir noch einmal über den größten amerikanischen Freiluftmarkt  --> Portland Saturday Market (2SW Naito Pkwy) schlendern, doch war der Zugangsbereich so voller Obdachloser, dass wir gar nicht erst anhielten. Stattdessen fuhren wir direkt nach Roseburg, wo ich wieder ein B&B gebucht hatte. Nach einigen Meilen stoppten wir zwecks Pipipause bei einem McDonald's, wo wir einen leckeren Erdbeershake bestellten. Als wir versehentlich zwei bekamen, liefen wir ganz schnell zum Auto und fuhren weiter... Buy one get one free! Lecker! Da ja meist die kleinen, unbekannten Orte einen besonderen Charme haben, verließen wir den I-5 S einfach für einen kleinen Sidetrip nach Cottage Grove, dass über eine kleine, urige Main Street verfügt und damit wirbt, einmal Drehort eines Buster Keaton - Films gewesen zu sein. Tatsächlich hatte sich der kleine Abstecher mal wieder gelohnt!

Wie schon auf dem Mural an der Main Street angekündigt, gibt es hier etwas außerhalb des Ortes eine schöne Covered Bridge, wie wir sie sonst nur in New Hampshire gesehen haben. Auch mitten im Ort gab es eine überdachte Brücke, doch war sie weder schön gelegen noch in gutem Zustand.

Colliding Rivers

Nach über 300 km erreichten wir schließlich unser B&B im hügeligen Farmland bei Roseburg. Leider hatte man wohl noch nicht mit uns gerechnet, denn es waren nur der kleine Sohn und der "gefährliche" Hofhund Winnie zugegen. Um den kleinen Kerl nicht weiter in Verlegenheit zu bringen, fuhren wir lieber erst einmal zu den nicht weit entfernten Colliding Rivers bei Glide. Hier stoßen der North Umpqua und der Little River frontal aufeinander, was es weltweit nur sehr selten gibt. Wir gingen hinunter ans Wasser, das angenehm frisch war. Doch war es hier barfuß auf dem felsigen Boden zu glitschig und wir hatten (leider!) nicht vor zu baden.

Roseburg, Oregon

Nachdem wir uns ein wenig am Fluss erfrischt hatten, fuhren wir zurück zum B&B. Nun hatten wir Glück und die Inhaber waren da. Wir checkten ein und machten uns sogleich noch einmal auf den Weg durchs trockene Farmland nach Roseburg, wo wir zunächst eine neue Pflegelotion für meinen Sonnenbrand bei "Safeway" kauften. Dann kehrten wir mal wieder bei "Applebee's" ein, wo gerade die Zusammenfassung des EM-Spiels zwischen Deutschland und Italien lief. Ansonsten war in Roseburg allerdings nicht wirklich etwas los.

Auf der Rückfahrt wurden die trockenen Wiesen in ein goldenes Licht getaucht. Es war hier karg aber dennoch schön. Zu dieser Zeit standen einige Rehe mit ihren Kitzen schon bedenklich nahe an der Straße. Zum Glück war hier nicht viel Verkehr.

C.H. Bailey House B&B

Das C.H. Bailey House B&B ( 121  Melton Road, Roseburg OR 97470 ) hat uns so gut gefallen, dass ich ihm eine extra Überschrift widme. Unsere Gastgeberin Sherry Couron forderte uns nach der Begrüßung sogleich auf, bei Betreten des Hauses die Schuhe auszuziehen, was mir zunächst etwas befremdlich erschien. Doch war das Haus so perfekt sauber und mit dicken, weichen Teppichen ausgelegt, dass ich sie zum einen nur zu gut verstehen konnte und es mir zum anderen auch nicht unangenehm war. Wir fühlten uns eher wie Zuhause, wo wir ja auch barfuß laufen. Unser Zimmer war wunderschön: supersauber, geräumig, geschmackvoll eingerichtet und mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet, die man sich wünschen konnte. Sogar frische Blumen und Pralinen gab es. Zudem konnten wir uns kostenfrei am Kühlschrank direkt vor unserem Zimmer ("Melton"-Room) bedienen, wo es sogar eine gute Weinauswahl gab. Das B&B war ein kleines Anwesen mit einem schönen Garten, einem Hühnerstall und einer Festscheune, in der wir uns abends noch Bier zapften!!! Wir saßen an diesem Abend noch lange im Garten und genossen die wunderbare Ruhe, die jäh unterbrochen wurde als Sherrys Kinder sich auf "Hühnerjagd" machten. Die Haushühner Chili und Pepper sollten die Nacht in ihrem Stall verbringen, um nicht vom Kojoten geholt zu werden. Auch der kleine Winnie beteiligte  sich an der Jagd unter dem Feigenbaum, obwohl er selber nicht viel größer als die Hühnchen war. Schließlich gelang es mir, Pepper mit den Händen zu fangen: I caught a chicken in Oregon! Das war ein wunderschöner Abend und wir haben auch ganz fantastisch geschlafen, obwohl mein Sonnenbrand noch zwickte. Es war so herrlich ruhig hier. Am nächsten Morgen wurde ich von Kuhgemuh und Kaffeeduft geweckt. Sherry hatte uns schon vor dem eigentlichen Frühstück frischen Kaffee und Gebäck vor die Tür gestellt. Unser eigentliches Frühstück servierte sie im Blumengarten, bei Vogelgezwitscher und dezenter Musik. Auch Pepper und Chili schauten vorbei. Das Frühstück war auch ein Traum: Es gab frische Beeren aus dem Garten mit Schokoladenminze, Eiersoufflé mit Röstkartoffeln und frischgebackene Blaubeermuffins. Köstlich! Aus Spaß sagte ich, dass jetzt nur noch eine Miezekatze fehlen würde, zumal wir das ja von Zuhause auch so gewohnt waren. Da kam doch tatsächlich eine um die Ecke und gesellte sich zu uns. Es war ein fantastischer und leider viel zu kurzer Aufenthalt auf "unserer" kleinen Farm. Vielen Dank, Sherry!

Rogue-Umpqua Scenic Byway

Nach dem fantastischen Frühstück fiel uns der Abschied von diesem wunderschönen Fleckchen Erde gleich noch viel schwerer. Im Winter hatten wir noch beim Checken unserer Buchungen im Internet entdeckt, dass das Bailey House zum Verkauf steht und waren schon in Sorge, hier gar nicht mehr übernachten zu können. Doch wollte Sherry wohl nur den Marktwert des Anwesens testen und sich nebenher neu orientieren. Das B&B betreibt sie nur aus Spaß am Verwöhnen, wie sie sagt und etwas Gleichwertiges hat sie bisher nicht gefunden. Kein Wunder, so schön wie es hier war! Kurz schoss mir in den Sinn, dass das doch auch etwas für uns wäre; aber eigentlich lasse ich mich doch lieber selber verwöhnen...

Nur 182 km Fahrtstrecke lagen heute vor uns auf dem Weg zum Crater Lake, doch sollte heute auch der Weg das Ziel sein. Der Rogue-Umpqua Scenic Byway (OR-138) wird auch "Highway of Waterfalls" genannt. Er beginnt in Roseburg und folgt dem Lauf des North Umpqua River nach Osten zum Diamond Lake Viewpoint. Unser erster Stopp war sogleich an der neuen Tioga Bridge, wo wir das klare Wasser des North Umpqua Rivers bewunderten und die noch angenehm frische Luft inhalierten.

 

Twinfalls

 

 

Entlang des Byway gibt es insgesamt 15 Wasserfälle, von denen Susan Creek Falls, Toketee Falls und die 83m hohen Watson Falls die beliebtesten sind. Wir starteten unser heutiges Wasserfall-Programm bei den Twinfalls. Um zu diesen wunderschönen Fällen zu gelangen, muss man zunächst einen ordentlichen Trail durch den Wald laufen. Doch ist bereits dieser Weg ein Erlebnis, läuft man doch stets an einem plätschernden Bachlauf mit moosbewachsenen Steinen und Farnen entlang. Zwar kamen uns auf dem Weg einige Leute entgegen, an den Wasserfällen waren wir dennoch plötzlich ganz alleine und hätten hier eine Naturdusche nehmen können. Ein Träumchen! Das Schneckchen auf dem Bild war auf dem Rückweg leider zertreten, obwohl sie gar nicht so klein war. Aber die Leute gucken ja nicht nach unten...

Toketee Falls

 

Als wir von unserem ersten Trail zurückgekehrt waren, hatte sich der Parkplatz schon gut gefüllt und uns war schon schön warm. Unsere Weiterfahrt wurde von bunten Blumen am Straßenrand begleitet. Auf dem Parkplatz am Trailstart zu den Toketee Falls erwischten wir gerade noch so eine freie Stelle. Aus einem riesigen Holzrohr tropfte und zischte das Wasser, das aus einem Stausee geführt wurde. Hoffentlich platzte das Monstrum nicht... Obwohl: Eine Abkühlung hätten wir nach dem langen Marsch gut gebrauchen können. War das warm und steil hier!

Watson Falls

 

Der Weg zu den Watson Falls führte vom Parkplatz zunächst über die OR-138 und dann immer höher in den Wald. Nach zwei Trails waren wir zwar schon ziemlich müde, doch lohnte der mühsame Weg. Hier war es noch schöner, als auf den Wegen zuvor. Immer am plätschernden Wasser entlang ging es hinauf zu den 83 m hohen Fällen. Pink erwies sich dabei als walduntauglich, da es die Lieblingsfarbe sämtlicher Insekten zu sein schien. Naja, so kamen wir zumindest schnell voran, da die Piekser jedes Päuschen schamlos ausnutzten... Ganz nah an den Fällen piekste es zum Glück nicht und der Sprühnebel bot eine willkommene Erfrischung. Hier nervte einzig die indische Großfamilie, die sich jeder mit jedem fotografieren ließ und somit den ohnehin beengten Viewpoint eine gefühlte Ewigkeit lang blockierte. Allerdings musste ich hier feststellen, dass der Weg schönere Impressionen als die eigentlichen Fälle bot.

Whitehorse Falls

 

Wieder unten angekommen war das Riesenrohr immer noch am Zischen und Plätschern. Schnell weiter, bevor es doch noch platzt... Nächster Stopp waren die Whitehorse Falls, die zum Glück von allen Wasserfällen hier am einfachsten zu erreichen sind. Meine Haut schlug vom Schwitzen schon Blasen und begann böse zu pellen. Wie lange sollte ich denn noch etwa von diesem doofen Sonnenbrand haben? Vom Parkplatz waren es aber nur wenige Schritte bis zur Aussichtsplattform. Dennoch gingen wir direkt zum Wasser, da ein Baumstamm den Blick vom Viewpoint etwas störte.

Clearwater Falls

 

Die letzten Wasserfälle waren für mich auch die schönsten. Zwar waren sie nicht besonders hoch, aber wunderschön mit moosigen Felsen und milchiger Gischt. Auch hier war der Zugang zum Glück einfach. Wir gingen neben den Fällen hinauf und überblickten das Gelände. Wunderschön! Doch was war das? Auf dem trockenen Waldboden saß eine Inderin und versuchte, sich eine Tütensuppe mit einem Gaskocher zuzubereiten. Zum Glück bekam sie das Ding nicht an. Denken die Leute denn gar nicht nach! Manchmal fehlen einem echt die Worte!

Diamond Lake

Am Diamond Lake endete unsere Fahrt auf dem Rogue-Umpqua Scenic Byway, da wir nun zum Crater Lake NP fuhren. Hier genossen wir die leichte Brise und den schönen Blick auf Mount Thielsen, einem weiteren Gipfel der Cascades.

Crater Lake NP

Vor dem North Entry des Crater Lake NP war ein langer Stau, wie wir es noch nie an einer Parkzufahrt erlebt hatten. Doch auch im Park war alles dicht. Wie wir im Nachhinein feststellen mussten, war der East Rim Drive wohl wegen der Witterungsverhältnisse noch gesperrt, so dass der See nicht auf den gesamten 52 km umrundet werden konnte. Am Visitor Center kam es vermutlich deshalb fast zu einem Verkehrskollaps, da einige Schlaumeier Wendemanöver auf der schmalen Straße vollzogen, andere es sogar schafften, sich am Fahrbahnrand festzufahren und abgeschleppt werden zu müssen. Die Park Ranger hatten ordentlich zu tun. Und uns wurde die Zeit knapp. An diesem Wochenende vor dem Independence Day war es im Park so voll, dass es sehr schwer war, an den Aussichtspunkten überhaupt anhalten zu können. Zudem schienen alle Inder der Gegend im Park zu sein und zum ersten Mal Schnee gesehen zu haben. Doch auch wir flippten fast aus,als wir einen ersten Blick auf den Crater Lake werfen konnten: So ein Blau hatten wir in der Natur noch nie gesehen. Es sah aus, als hätte der liebe Gott sein Tintenfass verschüttet, als er dieses Fleckchen Erde gestaltete. Schon die Indianer, die einst um den Crater Lake lebten, sahen in dem intensivblauen Vulkansee etwas Mystisches, eine Schöpfung überirdischer Wesen. Ihrem Glauben nach war es Skell (der Geist des Himmels) gewesen, der den Berg Mazama ( =Heimat von Llao, dem Häuptling der Unterwelt ) zerstört hatte. Mit Getöse soll der Feuer speiende Berg in sich zusammengestürzt sein und ein riesiges Loch hinterlassen haben: den Crater Lake.

Tatsächlich handelt es sich bei dem fast kreisrunden See mit einem Durchmesser von etwa 5 km und bis zu 537 m Tiefe um eine Caldera ( =einen eingestürzten Vulkankegel ). Ursprünglich befand sich hier der geschätzt 3600 m hohe Mount Mazama, der bei seinem letzten Ausbruch vor ca. 7000 bis 8000 Jahren einbrach und ein tiefes Loch bildete, das sich langsam mit Wasser füllte. Heute erhebt sich die kleine Insel "Wizard Island" in der Mitte des Sees.

Da durch die Sperrung des East Rim Drives eine Umrundung des Sees nicht möglich war, hätten wir alternativ bei Cleetwood Cove (ohne Tourbuchung) ans Wasser gehen können. Auf dem Cleetwood Trail läuft man 25 min auf einem Serpentinen ähnlichen Weg steil nach unten. Zurück dauert es entsprechend länger... Und genau da mangelte es uns an Zeit und Motivation nach den Wasserfall-Touren zuvor. Leider war aber auch die Zufahrt zum Phantom Ship Viewpoint nicht möglich. Ebenso war uns auch der Pinnacle Trail nicht gegönnt. Die Pinnacles sind bis zu 60 m hohe Gesteinsobeliske vulkanischen Ursprungs. Ihre Entstehung wird damit erklärt, dass feine Lavatröpfchen an den Wänden schmaler Gasausgänge  erstarrten und diese Fumarolen schließlich verstopften. Durch die Verwitterung wurde das den Pfropfen umgebende weichere Material abgetragen und dieser freigelegt. Der Pinnacle Trail ist zwar nur 0,6 km lang, soll aber durchaus 1,5 Stunden in Anspruch nehmen können. Deshalb war es nicht so schlimm, dass wir ihn gar nicht erst erreichen konnten... Die Sonne stand schon ziemlich tief am Himmel und wir mussten noch knapp über 100 km bis zu unserem Hotel in Klamath Falls fahren.

Auf dem Volcanic Legacy Scenic Byway ging es vorbei an riesigen Rinderherden zu unserem "Microtel", das wirklich okay war, aber einen krassen Gegensatz zu "unserer" kleinen Farm in Roseburg bildete. Zu Abend aßen wir lecker Barbecue bei "Wubba's BBQ Shack" und fielen dann satt und müde ins Bett.

Independence Day

Gut ausgeruht holten wir unser karges Frühstück aufs Zimmer, da im Frühstücksraum kein Platz frei war. Auch hier war alles voller Indern (und das Frühstück echt mies...). Als wir Klamath Falls verließen, kamen wir an einem "Animal Control Shelter" vorbei. Hoffentlich kam das Hundegebell, das ich in der Nacht gehört hatte, nicht von dort: In Animal Control Sheltern werden die Tiere nämlich nach einer gewissen Aufenthaltsdauer getötet. Auch der kleine Winnie aus dem Bailey House wurde aus so einer Station gerettet... Schrecklich, dass es so etwas gibt!

 

Unsere Fahrt führte uns zunächst eine ganze Weile durch Oregon, wo weit und breit kaum Zivilisation war.

Im kleinen Ort Malin kamen wir zufällig an einer Car Show vorbei, was meinen Mann natürlich zu einem spontanen Stopp veranlasste. Wir schlenderten ein wenig über die Rasenfläche und bestaunten die schönen und am Feiertag extra glänzend polierten Fahrzeuge.

Fortsetzung auf der nächsten Seite!

 

--> Pacific Northwest Teil 2

Kommentare: 20
  • #20

    Katrin (Montag, 24 Juli 2017 09:52)

    Lieber Hartmut,
    vielen Dank für das Lob! Ich wünsche euch einen wunderschönen Urlaub!

  • #19

    Hartmut (Freitag, 21 Juli 2017 13:01)

    Hallo Katrin,

    mit Freude habe ich gerade Deinen Reisebericht vom Osten Kanadas gelesen. Bei uns geht´s in ein paar Tagen los. Großes Kompliment für Deine Reiseseite.
    Liebe Grüße aus Braunschweig
    Hartmut

  • #18

    Katrin (Sonntag, 19 Februar 2017 12:51)

    Nochmal hallo Volker,
    gerade habe ich doch gesehen, dass ich natürlich auch schon auf deiner informativen Seite war, um Informationen über Strände auf Hawaii zu bekommen.

    Vielen Dank dafür!

  • #17

    Katrin (Sonntag, 19 Februar 2017 12:42)

    Hallo Volker,

    vielen Dank für deine nette Rückmeldung. Ja, ich bin gerade noch in der Planung, obwohl die Eckdaten natürlich schon stehen. So werden wir uns Oahu, Kauai, Big Island und Maui anschauen. Der Open doors-Helikopterflug auf Kauai ist auch bereits gebucht, der Sonnenaufgang am Haleakala auf Maui fest eingeplant und auch sonst habe ich hoffentlich dank Lala und anderer guter Seiten nichts vergessen...!

    Ganz herzliche Grüße,
    Katrin

  • #16

    Volker (Samstag, 18 Februar 2017 21:55)

    Hallo Katrin,

    ich habe Deine schöne Seite bei Lala entdeckt. Wollte gerade den Hawaii Bericht lesen, doch wurde ich dort daran erinnert, daß Du bei Lala von der Reiseplanung geschrieben hast. :-) Ich wünsche Euch einen schönen Urlaub. Welche Inseln habt Ihr denn eingeplant?

    Viele Grüße von Volker

  • #15

    Katrin (Mittwoch, 04 Januar 2017 13:58)

    Ich wünsche dir ganz viel Spaß in Florida!!!

  • #14

    Ramona (Mittwoch, 04 Januar 2017 08:00)

    Liebe Katrin
    Vielen Dank für Deine Rückmeldung. :) Ich werde es bei der Julia Street versuchen. Natürlich steht auch eine Fahrrad Tour auf unserem Programm.. dann werde ich das süsse Rosa Haus sicherlich finden. :)
    Liebe Grüsse aus Zürich :)

  • #13

    Katrin (Dienstag, 03 Januar 2017 21:39)

    Hallo Ramona,
    da wir 2007 nur zufällig an dem kleinen rosa Haus vorbeigekommen sind, kann ich dir leider die Adresse nicht nennen. Da im Hintergrund das Key West Lighthouse ( 938 Whitehead Street ) zu sehen ist, muss es in einer der kleinen Nebenstraßen stehen. Ich würde bald sagen, es ist die Julia Street, weiß es aber leider wirklich nicht. Zum Glück ist Key West aber sehr überschaubar und mit einem Fahrrad (z.B. von "Eaton Bikes") schnell und gründlich an einem Nachmittag abzufahren. Viel Erfolg!

  • #12

    Ramona (Dienstag, 03 Januar 2017 15:07)

    Hallo Katrin
    Bin gerade durch googeln auf deine Seite gestossen. Weisst du noch per Zufall an welcher Strasse das Rosa Haus in Key West anzutreffen ist? :) Ich muss dieses Haus unbedingt sehen. ;)
    Liebe Grüsse Ramona

  • #11

    Katrin (Donnerstag, 27 Oktober 2016 18:21)

    Danke Petra. Es freut mich sehr, dass dir die Seite gefällt!

  • #10

    Petra (Sonntag, 23 Oktober 2016 19:45)

    Eine ganz tolle Seite mit schönen Bildern und Infos zu den Reisen. Es gibt zwar viele Reiseberichte im Web aber diese gehört zu den besseren!!Liebe Grüße aus Mainz und weiter so

  • #9

    Katrin (Samstag, 23 April 2016 16:18)

    Hallo Harald,
    danke für das Lob. Mit Sandflöhen hatten wir noch nie Probleme, mit Moskitos nur bis zu der Erkenntnis, dass man doch lieber das Schutzspray aus den USA benutzen sollte... 2012 habe ich mich auf einer Rasenfläche mit (vermutlich) Ameisen angelegt, was sehr unangenehm war. In solchen Fällen hilft jedoch die in den USA sogar in den meisten Supermärkten erhältliche Cortizone 10-Salbe.

  • #8

    Harald (Sonntag, 17 April 2016)

    Hallo,
    dein Bericht ist ja super, nur eine Frage: Gab es Probleme mit Sandföhen oder No see ums? Ihr seid ja sehr USA-erfahren.

  • #7

    Klaus (Mittwoch, 02 März 2016 12:56)

    Eine Rundreise durch die US-Weststaaten ist schon eine tolle Sache! Wir haben auch das Castle Marne besucht (allerdings ohne Schreck beim Frühstück), es kommt in unserem Artikel zu besonderen Unterkünften vor, der vielleicht auch deine Leser interessiert:
    http://willkommenfernweh.de/besondere-unterkuenfte-weststaaten/

  • #6

    Katrin (Donnerstag, 11 Februar 2016 08:13)

    Hallo Namensvetterin, ich stöbere nun schon den zweiten Tag auf deiner Seite herum und finde immer wieder was neues. Toll gemacht. Unser nächster Trip steht zwar erst in zwei Jahren an aber Anregungen hast du viele für uns! Freue mich schon auf den nächsten Reisebericht!

  • #5

    Sascha (Freitag, 20 Februar 2015 13:46)

    Super! Deine HP hat mich gerade verzaubert! So tolle Bilder und deine Texte dazu- einfach herrlich! Habe die Seite abgespeichert! Sehr toll!

  • #4

    Jens (Samstag, 01 Februar 2014 22:01)

    Eine wirklich tolle Seite und Leistung...
    Kompliment Katrin... Weiter so...!!!

  • #3

    Eva (Samstag, 29 Juni 2013 21:42)

    Herrlisch!!!!

  • #2

    Lara (Donnerstag, 27 Juni 2013 23:29)

    ... tolle Fotos, tolle Geschichten,toller Mensch...
    Fotografieren und Reisen planen, das solltest Du zu Deiner Hauptaufgabe machen.
    Ich wünsche Dir einen schönen Trip und pass' auf Dich auf!
    Ich drücke dich ganz doll,
    Dein Patenkind (dessen ersten Amerikatrip du in 2 Jahren planen wirst :-) )

  • #1

    Lea (Dienstag, 11 Juni 2013 20:32)

    Hallo Katrin, ich war so neugierig und musste gleich mal schauen... Tolle Website und tolle Geschichten. Hier hab ich einiges zu lesen... Hoffentlich lernen wir uns am Samstag kennen. Gruß Lea


Alle Reisen wurden mit Unterstützung des

 

TUI ReiseCenter  (Veerßer Straße 33  in 29525 Uelzen) gebucht.