Am 10.August 2012 klingelte der Wecker mitten in der Nacht. Normalerweise ein Grund zum furchtbaren Fluchen, sprangen wir voller Freude aus dem Bett: Heute ging es wieder nach Amerika! Doch vor dem Abflug mussten wir erst noch 4 Stunden von der Lüneburger Heide nach Düsseldorf fahren. Ich konnte ja noch ein bisschen im Auto schlafen... Und dann war es endlich soweit: Wir hoben ab und freuten uns wie die Schnitzel auf Sonne, Palmen und viele schöne Erlebnisse.

Miami Beach

Marriott South Beach
Marriott South Beach




Als wir endlich in Miami gelandet waren, nahmen wir unseren Mietwagen in Empfang und fuhren durch die Stadt zu unserem Hotel "Marriott South Beach" am Ocean Drive. Das Hotel war sehr schön und lag viel zentraler als das sonst auch nette "RIU", in dem wir 2007 übernachteten. Von unserem Balkon konnten wir sowohl auf den Strand, als auch über eine Parkanlage auf den Ocean Drive sehen. Perfekt, um nichts zu verpassen. Das Zimmer war geräumig, sauber und modern eingerichtet. Auch die Außenanlage überzeugte. Dann würde einem schönen Aufenthalt ja nichts mehr im Wege stehen.

Gleich nach dem Einchecken machten wir uns auch schon wieder auf den Weg und der war gar nicht so weit, denn direkt vor der Tür lag der Ocean Drive, den wir sogleich ablaufen wollten. Bei meinem ersten Besuch 1993 war dieser Bereich noch "Sperrgebiet", ein heruntergekommener Straßenzug, indem Drogenhandel und Bandenkriminalität an der Tagesordnung waren. Mitte der 1980er-Jahre wurde sogar angedacht, den Großteil des Viertels abzureißen, was eine Bürgerinitiative jedoch verhinderte. Heute ist es die Top-Adresse Miamis. In diesem Art Déco District herrscht der Baustil "Tropical Déco" vor, da in Miami kräftigere Farben benutzt und ortstypische Motive wie Palmen und Flamingos integriert wurden. Die Fassaden der in den 20er- und 30er-Jahren errichteten Art Déco-Gebäude sind symmetrisch gestaltet, etwa die Hälfte von ihnen (insgesamt 800) stehen unter Denkmalschutz. Einige dieser schönen Häuser könnt ihr im Folgenden sehen (Es sind ein paar mehr Bilder geworden, da ich mich nicht entscheiden konnte):

Auf unserem Streifzug durch den Art Déco-District kamen wir in der Nähe dieses komplett eingewachsenen Parkhauses an einem kubanischen Restaurant vorbei (ihr seht es auf dem Foto vorne rechts neben dem großen "Grün"). Es war dort sehr voll, weshalb wir davon ausgingen, dass es wohl beliebt sein müsste, zumal es etwas abseits der Touristenpfade lag. Nach kurzer Wartezeit bekamen wir einen Tisch zugewiesen und stöberten in der Speisekarte. Alles hörte sich sehr interessant an und wir bestellten uns eine kleine Auswahl kubanischer Spezialitäten. Man war das gut. Seitdem stehe ich total auf Kochbananen, bekomme sie aber selber nicht ansatzweise so lecker hin.

Versace-Villa
Versace-Villa



Auf dem Rückweg über den Ocean Drive kamen wir auch noch an der Versace-Villa vorbei, in der der Designer Gianni Versace lebte und auf deren Stufen er 1997 erschossen wurde. Heute befindet sich in dem Gebäude, das unter dem Namen "Casa Casuarina" bekannt ist, ein Hotel, in dem man einige der Wohnräume des Modemachers gegen teures Geld besichtigen kann.

Ocean Drive bei Nacht
Ocean Drive bei Nacht

Dann kamen wir durchgeschwitzt wieder an unserem Hotel an. Wenn man schon in Miami Beach ist, muss man auch an den Beach. Schnell die Badesachen geschnappt und zur Abkühlung ab an den Strand. Pünktlich mit uns kam auch ein Gewitter. Es zog sich zu und grummelte. Alle suchten das Weite, doch wir mussten unbedingt ins Wasser. Den South Beach hatten wir nun ganz für uns alleine. Als das Gewitter näher kam und wir schon einzelne Blitze sahen, siegte jedoch auch bei uns die Vernunft und wir beendeten unser Bad im Atlantik.

So schnell wie ein Gewitter in der schwülwarmen Luft aufzieht, so schnell verschwindet es auch wieder. Deshalb machten wir uns schick, um uns ins Nachtleben auf dem Ocean Drive zu stürzen. (Gott sei Dank haben wir nach dem Hinflug nie mit Jetlag zu kämpfen!) Obwohl es schon später Abend war, war es immer noch schön warm, die Palmen bewegten sich im Wind und an allen Ecken wurde gute Livemusik gespielt. Wir besorgten uns einen Drink und setzten uns auf eine kleine Mauer. Das war besser als Fernsehen: Hier galt das Motto "Sehen und gesehen werden", was sowohl die Leute als auch die vorbeicruisenden Autos betraf. Irgendwann weitete die fantastische farbige Sängerin, der wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite lauschten, ihre Bühne auf die Straße aus und performte mitten im Verkehr. Wir konnten uns von dem gebotenen Programm gar nicht loseisen, doch am nächsten Tag hatten wir ja auch noch einiges vor... 

"Schreihals"
"Schreihals"

Am nächsten Morgen wurden wir von lautem Gekreisch geweckt. Was war da los? Ein Blick vom Balkon brachte keine Erklärung. Wo wir schon mal wach waren, konnten wir ja auch frühstücken gehen. Das Frühstück im Hotel war sehr gut, es gab frische und ganz nach individuellem Geschmack zubereitete Omeletts, Lachs, Süßkram und alles was man sonst noch für einen guten Start in den Tag braucht. Vollgefressen wollte ich mir erstmal in dem kleinen Park neben dem Hotel die Beine vertreten und da war es wieder, das Gekreische. Plötzlich raschelte es in den Palmen und die Schreihälse waren enttarnt: Ein Schwarm kleiner Papageien setzte sich in Bewegung. Einen der Lümmel habe ich noch mit der Kamera erwischt.

Little Havana
Little Havana

Heute wollten wir das Herz des kubanischen Miami besuchen und fuhren nach Little Havana, das sich westlich der Downtown erstreckt und im Westen an Coral Gables grenzt. Zentrum des Viertels ist die Calle Ocho (SW 8th Street), an der es viele Zigarrengeschäfte gibt. Wir deckten uns hier in einem Supermarkt erstmal mit kalten Getränken ein und das war schon ein besonderes Erlebnis: Beim Betreten schallte uns kubanische Musik, sowie ein lautes Stimmengewirr entgegen. Der Laden war vollgestopft mit losen und verpackten kubanischen Waren und es herrschte dichtes Gedränge. Nachdem wir die Getränke im Auto verstaut hatten, spazierten wir die Calle Ocho entlang. Zwar war es hier nicht so gepflegt wie in anderen Teilen Miamis, doch herrschte hier Lokalkolorit en masse. Wir sahen einigen Zigarrendrehern bei der Arbeit zu und flanierten dann über den Cuban Memorial Boulevard, wo bedeutenden Kubanern gedacht wird. Leider stank es hier fürchterlich, da eines der zahllosen frei umherlaufenden Hühner in der Sonne vor sich hingammelte. Da war es im Máximo Gómez Park, einem der Zentren des sozialen Lebens dieser Gegenden, schon angenehmer. Kubanische Rentner treffen sich hier zum Dominospielen, weshalb der Park von den Einheimischen auch "Domino Park" genannt wird. Little Havana sollte man auf jeden Fall besucht haben.

South Beach Classics
South Beach Classics

Im Anschluss fuhren wir zu "South Beach Classics", einem Gebrauchtwagenhändler, der in Deutschland durch die Sendung "Miami Car Kings" auf DMAX bekannt ist. Da musste mein Mann unbedingt hin! Prompt liefen wir auch dem Eigentümer Ted Vernon in die Arme, der uns willkommen hieß und auf dem riesigen Gelände herumstöbern ließ. Bei genauerem Hinsehen stellte mein Mann jedoch enttäuscht fest, dass es sich bei den angebotenen Autos vorwiegend um überteuerten Schrott handelte. Im Fernsehen sieht natürlich alles viel besser aus. 

Downtown Miami
Downtown Miami



Da vom Tag noch einiges übrig war, wollten wir auch Downtown einen Besuch abstatten, was wir 2007 ausgelassen hatten. Um einen Eindruck vom Geschäftszentrum zu bekommen, bot sich eine Fahrt mit dem kostenlosen "Metromover" an. Der Metromover ist eine vollklimatisierte Hochbahn mit vielen Stopps, die das gesamte Zentrum umrundet. Eine angenehme Alternative zum Pflastertreten. Zum Aussteigen hatten wir keine Lust, sodass wir einfach die ganze Runde sitzenblieben. 

Bayfront Park
Bayfront Park






So kamen wir nach kurzer Zeit wieder genau dort an, wo wir eingestiegen waren. Gegenüber der Station und des Parkplatzes war der Bayfront Park. Da wir uns im angenehm kühlen Metromover nicht gerade überanstrengt hatten, spazierten wir nun durch die gepflegte Grünanlage am Ufer der Biscayne Bay. 

Bayside Marketplace
Bayside Marketplace



Nördlich schließt sich der Bayside Marketplace an den Bayfront Park an. Schon 2007 genossen wir die entspannte Atmosphäre und die Livemusik auf der zentralen Bühne direkt an der Miamarina, dem Anlegeplatz der Ausflugsboote und zahlloser Yachten. Außerdem gab es hier viele Shops und Restaurants. Für den Abend beschlossen wir, nach Sichtung des Angebots, bei "Bubba Gump" zu speisen.

Freedom Tower
Freedom Tower






Auf dem Rückweg zum Parkplatz bot sich uns noch ein schöner Blick auf die Hochhäuser Downtowns und den Freedom Tower. Der gelbe, dem Glockenturm der Kathedrale von Sevilla nachempfundene Turm wurde in den 1920er-Jahren erbaut und erinnert namentlich daran, dass in den 1960er-Jahren hier die Einwanderung kubanischer Flüchtlinge abgewickelt wurde.

Espanola Way
Espanola Way



Wo wir schon mal im Sightseeingwahn waren, machten wir uns noch auf die Suche nach dem Espanola Way, auf den ich im Internet gestoßen war. Er sollte in der Nähe des Art Déco-Districts liegen und tatsächlich fanden wir ihn nur eine Querstraße vom Ocean Drive entfernt. Der Espanola Way ist eine kleine Seitenstraße mit rosanen Häusern im mediterranen Stil. Hier gab es viele Restaurants mit schön gestalteten, begrünten Außenterrassen. Ein idyllisches Plätzchen mitten im trubeligen Miami Beach.

Am Abend hübschten wir uns ein wenig auf, um uns ins Nachtleben am Bayside Marketplace zu stürzen. Zuerst kehrten wir beim bereits am Nachmittag anvisierten "Bubba Gump" ein, einer Restaurantkette, der der Film "Forrest Gump" zugrunde liegt, in dem Forrest Gump dem Wunsch seines verstorbenen Freundes Bubba nachkommt und ins Shrimpsgeschäft einsteigt. Wir saßen im nachgebauten Wohnzimmer von Mrs. Gump und aßen (natürlich) Shrimps im Sud. Die Darreichung war interessant, der Inhalt des Blechtopfs sehr lecker. Nach dem Essen saßen wir bei köstlichen Pineapple Smoothies an der Miamarina und lauschten der Livemusik. Es war ein herrlicher Abend!

Everglades National Park

Am 12.August stand ein Ausflug in den Everglades National Park auf dem Programm. Nachdem wir 2007 mit dem Propellerboot durch die ewigen Sümpfe geknattert waren, wollten wir sie nun zu Fuß erkunden. Von Miami fuhren wir über die Florida Turnpike bis Florida City. Von dort aus führte die Stichstraße #9336 40mi durch den Nationalpark bis zum Endpunkt Flamingo an der Florida Bay. Nur etwa 2mi westlich der Parkeinfahrt zweigte die Zufahrt zur Royal Palm Area ab, wo der Anhinga Trail begann. Dieser Trail verläuft vorwiegend auf breiten Holzstegen über einen Sumpf. Zum Glück blieben wir hier von Moskitos verschont, so dass wir uns ganz auf die Suche nach Alligatoren konzentrieren konnten. Auf unserem Weg wurden wir permanent vom "Bellen" (es hört sich wirklich so an!) der Alligatoren begleitet, doch war es schwer, sie im Dickicht ausfindig zu machen. Einige entdeckten wir aber. Im Alligatorwahn wäre ich fast auf die beiden großen Heuschrecken getreten, die sich am Wegesrand miteinander vergnügten. Im Anschluss gingen wir noch den angrenzenden Gumbo Limbo Trail ab, der durch ein dschungelähnliches Dickicht führte. Während mein Mann entspannt durch die lokale Vegetation spazierte, war ich hier auf der Flucht vor den doch vorhandenen Stechfliegen. Gemein ist das...

Nach erfolgreicher Flucht vor den doofen Insekten, fuhren wir weiter Richtung Flamingo, der touristischen Zentrale der Everglades. Dabei kamen wir an einem idylischen See vorbei, der zu einem Päuschen verlockte. Wirklich schön war es hier; selbst die Fische waren fröhlich und hopsten aus dem Wasser (wirklich, das war so!). Aber da waren sie wieder: die doofen Moskitos! Dieses Mal waren es so viele, dass selbst mein Mann die Beine in die Hand nahm. Da uns unser Päuschen gehörig vermiest war, fuhren wir direkt weiter nach Flamingo, das sich jedoch lediglich als Proviantstation entpuppte. Hier war rein gar nichts los, einzig ein paar Geier warteten auf Beute. Da fuhren wir doch lieber wieder zurück nach Miami...

Unseren letzten Abend ließen wir bei leckeren Cocktails und Tortillas auf der Terrasse unseres Hotels ausklingen. Miami hatte uns wieder sehr gut gefallen, doch es sollte in den nachfolgenden Tagen noch schöner werden...

Die Florida Keys

Sandspur Beach
Sandspur Beach

Am 13.August verließen wir Miami und machten uns auf den Weg über die Florida Keys zum südlichsten Zipfel der kontinentalen USA nach Key West. Die Fahrt ist immer wieder ein Traum: die Farben des Wassers, der blaue Himmel und die vielen kleinen Inseln kann man mit Worten nicht beschreiben. Das Florida Reef, in dem die Inseln liegen, ist das drittgrößte Korallenriff der Welt. Es steht auf 350km als Florida Keys National Marine Sanctuary unter Naturschutz. Je nach Korallenart auf dem Untergrund leuchtet das Wasser in den unterschiedlichsten Farben, von hellem Türkis, über leichtes Gelb bis sogar zartem Lila. Besonders die Fahrt über die Seven-Mile-Bridge ist ein Erlebnis. An ihrem Ende stoppten wir auf der Insel Bahia Honda Key, die eine Art Übergangszone zwischen den aus Korallen gebildeten nordöstlichen Keys und den südwestlichen Inseln aus Kalkstein, bildet. Uns lockte hier der für seine karibischen Strände bekannte Bahia Honda State Park. Und der Reiseführer hatte nicht zuviel versprochen, der Sandspur Beach war ein Traum und das, obwohl er leider an diesem Tag voller müffelndem Seetang war. Aber das Wasser! So klares, warmes, seichtes Wasser hatten wir noch nirgends gesehen. Obwohl wir keine Badesachen anhatten, konnten wir ca. 100m ins Meer hineingehen und standen immer noch nur bis zum Knie im Wasser. Herrlich, aber irgendwie auch gemein, da wir uns zwingen mussten,uns nicht voll bekleidet einfach ins Wasser plumpsen zu lassen.

Nachdem wir uns schweren Herzens vom warmen klaren Wasser lösten, wollten wir für die entrichteten 9$ noch ein wenig mehr von diesem traumhaften State Park sehen. So fuhren wir bis an sein südliches Ende, wo der Bahia Honda Bridge Trail begann. Die Bucht (spanisch "bahia") vor dieser Insel ist sehr tief (spanisch "hondo"), was den Brückenbauern große Probleme bereitete und den Bau der Bahia Honda Bridge schwieriger gestaltete als den der Seven Mile Bridge. Heute liegt die alte Eisenbahnbrücke der Flagler Oversea Railroad, die nachträglich als Straße genutzt wurde, brach. Auf einem erneuerten Stück konnte man mit Blick auf Calusa Beach zur Linken an der Golfseite und Loggerhead Beach auf der Atlantikseite auf der alten Brücke entlanggehen. Im Hintergrund Calusas verläuft der Overseas Highway, der hier Bahia Honda Key mit West Summerland Key verbindet. Dann war abrupt Schluss und man sah über das Wasser direkt auf das alte Stück der Brücke. 

Loggerhead Beach zog uns schon von oben magisch an - da mussten wir unbedingt hin, denn so ein türkisfarbenes Wasser hatten wir noch nicht mal in Swimmingpools gesehen.

Doch irgendwann mussten wir uns wohl oder übel für heute von dieser paradiesischen Insel trennen, da ja unser Lieblingshotel in den gesamten Staaten in Key West auf uns wartete. Aber morgen würden wir auf jeden Fall wieder in den State Park fahren. Auf unserer Fahrt fielen uns viele Leguane am Straßenrand auf, die ihre bunten schuppigen Körper in die Sonne hielten. So viele und so große hatten wir noch nie gesehen. Wie sich herausstellte hatten sie ihr Hauptrevier auf Bahia Honda und West Summerland Key, denn auf der Weiterfahrt sahen wir höchstens noch vereinzelt welche. Ein besonders großes orangefarbenes Exemplar saß praktischerweise mit einigen Freunden auf einem Parkplatz am Overseas Highway, so dass wir anhalten konnten. Schnell die Kamera gezückt und angeschlichen... aber die Burschen sind ja viel schneller als sie aussehen und schwuppdiwupp waren alle im Gebüsch verschwunden. Ein grünes Reptil hatte ich aber immer noch im Visier, als ich meinen Mann wild gestikulierend im Auto bemerkte. Ich dachte, er meinte ich solle schnell wieder einsteigen und lief zum Auto zurück, wobei plötzlich der große Orangene direkt vor meiner Nase über den Weg huschte. Auf den wollte mein Mann mich nämlich aufmerksam machen, aber ich habe es in meinem Wahn nicht verstanden. So ein Ärger! An der nonverbalen Kommunikation müssen wir unbedingt noch arbeiten...  

Key West

Heron House Court
Heron House Court



Und dann waren wir wieder in "unserem" Key West. Als wir in die Straße (Frances Street) einbogen und das kleine Hotel "Heron House Court" sahen, war es wie Nachhausekommen. Roman, die mehr als gute deutsche Seele des Hauses, begrüßte uns auf seine herzliche Art und wir fühlten uns wie bei einem guten Freund, den wir nach langer Zeit endlich wiedersahen. Nie würden wir in Key West woanders übernachten wollen, auch wenn die Anlage mal unbedingt eine leichte Renovierung gebrauchen könnte. 

Nachdem wir uns noch länger mit Roman unterhalten hatten und unsere Koffer ausgepackt hatten (die Mühe machten wir uns, da wir 5 Tage in Key West verbrachten) gingen wir durch die Straßen mit ihren schönen Häusern und üppig bepflanzten Gärten, wobei hier und da Hähnekrähen ertönte, da es hier viele Hühner gibt, die auch einfach auf den Wegen laufen. Key West ist der älteste Ort auf den Keys und wurde den Spaniern 1821 von den USA abgekauft. Am 23.April 1982 erklärte sich Key West aus Protest gegen geplante Grenzkontrollen (um Schmuggel und Drogenhandel Einhalt zu gebieten) als unabhängig von den USA und gab sich den Namen "Conch Republic", mit eigener Flagge und eigenen Pässen. Die Einheimischen haben entsprechend eine große Conch (das Haus einer großen Meeresschnecke) vor der Haustür liegen. Im Gegensatz zum Rest der USA ist Key West sehr liberal was Homosexualität und Alkoholkonsum angeht. Ein äußerst angenehmer Ort zum Leben.

"Shell Warehouse"
"Shell Warehouse"

Zunächst zog es uns zum Mallory Square am nordwestlichen Ende der Altstadt direkt am Wasser. Dieser Platz steht ganz im Zeichen der "Wreckers". Da wegen der vielen Riffe rund um die Keys früher ständig Schiffe in Seenot gerieten, wurde das "Wrecking" zur wirtschaftlichen Grundlage des Lebens auf Key West. Wer als erstes am sinkenden Schiff eintraf und die Besatzunge rettete, hatte einen rechtlichen Anspruch auf alles, was sich an Bord befand. Das Wrecking ist somit eine legale Form der Plünderung gewesen. Am Mallory Square gibt es entsprechende Museen, die sich den gesunkenen Schiffen, Piraten und Schätzen widmen. Auch sehenswert ist das große "Shell Warehouse", in dem es Unmengen von Muscheln, Schwämmen und Krimskrams zu kaufen gibt, wobei man immer darauf achten muss, nicht auf eines der mitten durchs Geschäft laufenden Hühner zu treten...

Sunset Celebration
Sunset Celebration



Wir verbrachten den Rest des Tages hier am Mallory Square, da wir unbedingt bei der Sunset Celebration dabei sein wollten. Seit den 1960er-Jahren versammelt sich hier jeden Abend die halbe Stadt, um der im Meer versinkenden Sonne zu applaudieren. Begleitet wird das Spektakel von Akrobaten, Musikern, Feuerschluckern und Dominic dem Katzendompteur. Auch wir setzten uns mit leckerer Key Lime-Lemonade an die Mallory Pier und beobachteten den Sonnenuntergang. Charterboote beschallten die Pier vom Wasser aus mit lauter Musik. Als die Sonne schließlich versunken war, blies jemand in eine große Conch, um das Ende des Sunsets zu verkünden. So sollte man jeden Tag beenden!



Nachdem die Sonne im Meer verschwunden war, gingen wir ins "Hard Rock Café", um etwas zu essen. Inzwischen war es schon spät und uns hungerte sehr. Mit unserer "Hard Rock VIP-Card" (jaaa, sowas haben wir!) bekamen wir sofort einen Platz auf der Terrasse. Direkt gegenüber befand sich Mile Marker 0. Da alle Orte und Sehenswürdigkeiten auf den Keys an oder in der Nähe des Overseas Highway liegen, richten sich die Adressen nach den Mile Markern, die die Entfernung zu eben diesem Meilenstein 0 uns gegenüber zählen. Nach dem Essen gingen wir durch die warme Nachtluft zurück zu unserem Hotel.

mit dem Fahrrad durch Key West
mit dem Fahrrad durch Key West


Am nächsten Morgen frühstückten wir wie im Heron House üblich mit den anderen Gästen am runden Tisch im Foyer. Auch in diesem Jahr kamen wir dabei mit einigen netten Menschen ins Gespräch. Jaja, bei Roman sind alle eine Familie... Für diesen Tag hatten wir uns Fahrräder geliehen, da wir uns heute soviel wie möglich von Key West ansehen wollten, ohne Zeit bei der Parkplatzsuche zu verlieren. Fahrradfahren ist hier das reinste Vergnügen, es gibt keine Steigung, nicht viel Verkehr, dafür umso mehr zu sehen. 

Conch Train Station
Conch Train Station

Zunächst fuhren wir Richtung Duval Street, der Hauptstraße der Altstadt. Hier gibt es viele Geschäfte, in denen von Kunst bis Krempel alles zu finden ist, sowie Bars und Restaurants. Die Duval Street erstreckt sich zwischen dem Golf von Mexiko und dem Atlantik. Hier startet auch der Conch Train, mit dem man Hop-on-hop-off-Touren machen kann, die dann z.B. am ebenfalls in der Duval Street stehenden ältesten Haus Key Wests von 1829 vorbeiführen. An der Ecke Green Street befindet sich die urige Kneipe "Captain Tony's Saloon", in der Ernest Hemingway gerne und häufig einkehrte und die die älteste Bar in Florida sein soll.

Audubon House
Audubon House



Weiter führte uns unsere Radtour in die Whitehead Street, wo das Audubon House steht, in dessen Garten der Naturliebhaber und Maler John James Audubon im frühen 19.Jahrhundert Pflanzen und Tiere der Insel zeichnete. Direkt gegenüber befindet sich Mel Fisher's Maritime Museum, mit den großen farbigen Figuren davor.

Southernmost Point
Southernmost Point

Am Ende der Whitehead Street an der Atlantikküste markiert ein Monument in Form einer Boje den südlichsten Punkt der kontinentalen USA. Von hier aus sind es nur noch "90 Miles to Cuba", wie ein Schild am Zaun verkündet. Hinter dem Zaun befindet sich ein militärisches Sperrgebiet, auf dem sich ein noch südlicherer aber eben nicht zugänglicher Punkt befindet. Vor dem Southernmost Point of Continental USA hatte sich eine lange Schlange gebildet, da natürlich jeder ein Foto von sich und der Boje haben wollte. Man half sich gegenseitig beim Fotografieren schon alleine, damit es schneller voran ging. Unweit neben diesem Anziehungspunkt verkaufte ein Mann gekühlte Kokosnüsse. Davon wollte ich in der Hitze unbedingt eine haben. Schwups mit dem Akkubohrer ein Loch gebohrt, Strohhalm rein und probiert. In der superfrischen Kokosnuss war bestimmt ein ganzer Becher köstliche Milch, aber sie war sehr schwer, denn man bekam nicht nur den haarigen braunen Kern, wie wir es aus dem Supermarkt kennen, sondern die ganze Nuss samt grünem Fruchtfleisch drumherum. Als ich die leere Kokosnuss entsorgte, zuckten alle Wartenden zusammen, so laut krachte es im scheinbar leeren Mülleimer.

Hemingway House
Hemingway House

Nur 500m vom Southernmost Point entfernt besuchten wir das Hemingway House, in dem der Schriftsteller von 1931 bis 1940 lebte. Wir besichtigten das zweistöckige original möblierte Kalksteinhaus, das jedoch von innen weniger spektakulär war als von außen. Dennoch standen wir hier immerhin auf dem Balkon, auf dem die Schlüsselszene des James Bond Films "Licence to Kill" gedreht wurde. Der Garten des Hemingway Hauses ist üppig bepflanzt, wobei die großen Bananenstauden für mich ein besonderes Highlight waren, da einige auch gerade dicke Blüten hatten. Das Gelände ist gut gesichert, damit die eigentlichen Stars hier nicht entwischen: In dem schönen Garten, im Haus und auch im integrierten Souvenirshop tummeln sich die Nachkommen der Hauskatzen Hemingways, deren unverwechselbares Merkmal ihre sechszehigen Pfoten sind. Im Tropengarten gibt es sogar einen Katzenfriedhof mit Gedenktafeln der verstorbenen kleinen Schnurrer, die offenbar wegen Überzüchtung immer früher das Zeitliche segnen.




Fast direkt gegenüber des Hemingway Hauses steht das weiße Key West Lighthouse aus dem Jahr 1847. Besteigt man den Leuchtturm kann man Key West aus 26m Höhe überblicken. Am Fuße des Turms befindet sich das Keeper's Quarter Museum im Leuchtturmwärterhaus. Wir sind nicht auf den Turm gestiegen, sondern setzten unsere Radtour auf der Whitehead Street nun in entgegengesetzter Richtung fort. 


Unser nächstes Ziel war der West Martello Tower am Atlantic Boulevard, ein alter Wehrturm, der nun von einer Garden Association zu einem Gartenparadies gemacht wurde. Kleine Wege führen durch die schön bepflanzte ehemalige Wehranlage. Besonders schön war der weiße Pavillon in dem wir ein Weilchen sitzen blieben.



Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel kamen wir an einem interessanten kleinen Imbiss vorbei, der uns durch die lange Schlange davor auffiel. Wenn in einer Gegend außerhalb der typischen Touristenpfade so viele Leute anstehen, muss es ja gut sein. Auch wir stellten uns an und bestellten ein kubanisches Sandwich, bei dessen Zubereitung man zugucken konnte.

Während wir auf unser Sandwich warteten, hörten wir in unregelmäßigen Abständen ein schrilles Kreischen. Dem musste ich natürlich nachgehen und wurde im hinter dem Imbiss liegenden Waschsalon fündig: Eine Frau sortierte gerade ihre Wäsche unterstützt von einem Papagei, der ihr mit seinem Schnabel die Teile anreichte (vielleicht fuschte er auch nur dazwischen). Jedenfalls guckte nur sein Kopf auf den Tisch. Als die Frau bemerkte, dass ich gerade ein Foto machen wollte, meinte sie es gut und setzte den Vogel fotogen auf einen Kleiderständer. Vielen Dank, aber nur der Kopf mit einem Schlüpper im Schnabel wäre mir lieber gewesen.

 

Ach so: Das Sandwich war übrigens super lecker! 

im Historic Seaport
im Historic Seaport

Nachdem das Sandwich verputzt und auch der Papagei seine Arbeit erledigt hatte, radelten wir zum Historic Seaport. Von hier aus starten Glasbodenboote zu den Korallenriffen oder Schiffe zum Hochseefischen. Wir beschränkten uns auf einen Rundgang auf den Holzstegen, die um das Hafenbecken herumführen. Ein Blick ins klare Wasser gab auch schon Aufschluss darüber, wer sich hier so alles tummelt. Der alte Hafen gefiel uns ausgesprochen gut. Hier gab es auch einige schöne Restaurants, deren Speisekarten sehr verlockend klangen, doch hatten wir ja noch das Sandwich im Bauch.

Als wir das andere Ende des Hafens erreichten, war die Duval Street schon wieder in Sichtweite. Hinter den Häusern war ein großes Kreuzfahrtschiff zu sehen, das sie noch kleiner erscheinen ließ. Als wir weiter Richtung Wasser gingen, kamen wir an "Kermit's Key Lime Shop" vorbei, wo wir 2007 den berühmten Key Lime Pie probiert hatten. Der Besitzer Kermit stand wie damals in Konditorenkluft mit einem künstlichen Key Lime Pie vor seiner Ladentür. Irgendwie hatte sich in den 5 Jahren nichts verändert...

Wir gingen weiter am Wasser entlang, bis wir den Sunset Pier erreichten. Hier gab es Livemusik und eine offene Bar, wo wir erst einmal etwas Kaltes tranken. Der Sunset Pier führte über eine Treppe auf den Mallory Pier. Wir hätten hier noch weiter spazieren können, aber unsere Fahrräder standen ja noch am Historic Seaport. Also marschierten wir das ganze Stück vorbei an Kermit und anderen schönen Cafés und Geschäften wieder zurück. 

Smathers Beach
Smathers Beach



Weil wir gerade noch so gut in Schwung waren, fuhren wir noch am von Roman empfohlenen Smathers Beach vorbei, einem sehr schönen Strand am Atlantic Boulevard. Da wir keine Badesachen auf unseren Beach Cruisern (so hießen unsere Fahrräder) dabei hatten, mussten wir uns mit einem kurzen Strandspaziergang zufrieden geben.

Was ist das?
Was ist das?

Dann radelten wir zu unserem Hotel zurück. Vom Innenhof aus entdeckte ich in einiger Entfernung einen hohen Baum mit großen grünen "Dingern" darauf. Ich frage mich bis heute ob das Knospen gewaltiger Blüten oder Früchte waren. Falls es Früchte waren, müssen sie Melonengröße haben. Man kann sich nur wünschen, dass sie nicht hinunterfallen... Für das Bild musste jedenfalls mein Superzoom aktiviert werden. Falls jemand eine Ahnung hat, um was für einen Baum es sich handelt, wäre ich für eine Auflösung sehr dankbar.

"Sloppy Joe's"
"Sloppy Joe's"

Nachdem wir uns noch ein wenig im Hotelpool erfrischt hatten, schwangen wir uns wieder auf unsere Fahrräder und fuhren wieder auf die Duval Street, wo wir im "Sloppy Joe's" etwas essen wollten. Diese Kneipe war nicht nur Ernest Hemingways Lieblingslokal, sondern seit 2007 auch unseres. Wir hatten Glück und bekamen noch einen Tisch. An diesem Abend spielte eine Großfamilie auf der Bühne und die waren richtig gut. Spät abends kam sogar noch eine Sängerin mit einem Baby vor dem Bauch auf die Bühne, das während sie sang fröhlich mit den Beinchen strampelte. Die sind hier alle echt entspannt (Eltern wie Kinder). Im "Sloppy Joe's" darf auch geraucht werden, was sonst in Amerika undenkbar ist. Merkwürdigerweise wurden allerdings wie überall in den USA um 21.00Uhr die Ausweise kontrolliert und alle unter 21jährigen mussten, selbst wenn sie mit ihren Eltern da waren, den Laden verlassen (komisch, dass das Baby bleiben durfte...) Wurde ich 2007 auch noch kontrolliert, sah man jetzt davon ab, was mich sehr traurig stimmte... Es wurde spät an diesem Abend und wir schlingerten etwas auf dem Rückweg zum Hotel.

National Key Deer Refuge

am Blue Hole
am Blue Hole

Am 15.August fuhren wir nach Big Pine Key, wo wir hofften im National Key Deer Refuge eines der vom Aussterben bedrohten Key Deers zu sehen. Die Tiere sind eine Zwergart des Weißwedelhirsches, werden aber nur höchstens 80cm groß. Einen der Gründe, aus denen sie vom Aussterben bedroht sind, mussten wir fast miterleben: Das einzige Key Deer, das wir kurz zu Gesicht bekamen, huschte plötzlich aus dem Dickicht über die Straße. Zum Glück konnte der Wagen vor uns noch rechtzeitig bremsen. Der gesamte bewaldete Bereich am Highway durch Big Pine Key ist deshalb komplett durch Zäune geschützt. Nur direkt im Refuge nicht, da man wohl davon ausgeht, dass hier entsprechend umsichtig gefahren wird. Leider mussten wir feststellen, dass es hier einige Idioten gab... Nachdem wir eine Weile (natürlich sehr langsam) durch das Gebiet gefahren waren, hielten wir am See Blue Hole, der sich in einem alten Steinbruch bildete. Hier sahen wir Schildkröten und Alligatoren. Obwohl ich auch ein wenig ins Unterholz kroch, war kein Key Deer zu sehen. Aber was erwartet man? In deutschen Wäldern wirft sich das Wild ja auch nicht in Pose...

Bahia Honda State Park

Loggerhead Beach
Loggerhead Beach

Den Rest des Tages verbrachten wir im Bahia Honda State Park, von dem wir schon am ersten Tag so begeistert waren. Dieses Mal hatten wir natürlich Badesachen dabei, so dass wir uns nun in das warme, klare Wasser schmeißen konnten. Zwischendurch kauften wir uns noch einen Sonnenschirm, da die wenigen Schattenplätze natürlich schon belegt waren. Leider mussten wir feststellen, dass der Sonnenschutz aus Deutschland bei Weitem nicht ausreichte. Für den nächsten Tag waren wir klüger und besorgten uns australischen Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 90, nur war es da leider schon zu spät... Da wir den ganzen Tag im Wasser verbrachten, bekamen wir die Sonnenstrahlen natürlich besonders gut konzentriert ab, wodurch ich dermaßen verbrannte, dass sich auf meiner Schulter sogar Blasen bildeten. Herzlichen Glückwunsch! Jetzt musste ich mit T-Shirt ins Wasser gehen, um die Hautsituation nicht noch weiter zu verschlimmern. Wir verbrachten die letzten beiden Tage nahezu komplett am Loggerhead Beach bzw. im Wasser. Hier gab es eine ziemliche Strömung, so dass es im flachen Wasser nicht langweilig wurde... Auch bot sich von hier ein fantastischer Blick auf die Bahia Honda Bridge und die kleine vorgelagerte Insel. Ich staunte nicht schlecht, als ein Boot vor der Insel hielt, jemand über Bord sprang und im Wasser stand. Vermutlich hätte man sogar vom Strand aus zur Insel gehen können, aber das wollte ich Schisspupse nicht ausprobieren, zum Einen wegen der Ströumg, zum Anderen wegen Haien, obwohl Roman sagte, dass es hier so gut wie nie Haiattacken geben würde. Aber ich quietsche ja schon, wenn ich Seegras ans Bein kriege...

Von den Waschräumen (wir präferierten jedoch die Außenduschen) bot sich durch die silbrigen Blätter der Bäume noch ein interessanter Blick auf das pastellfarbene Meer.

Bevor wir noch einmal zum Sandspur Beach fuhren, warfen wir noch einen Blick auf den Calusa Beach, der uns jedoch viel zu voll war. Waren am Loggerhead Beach kaum Kinder, wimmelte es hier von Familien, vermutlich, da der Strand viel dichter am großen Parkplatz lag und man nicht noch über einen bewachsenen Hügel marschieren musste. Auch wurde das Wasser hier schneller tief, so dass sich alle in einem relativ kleinen Bereich tummelten. Ne ne, da fanden wir unsere Strandwahl schon besser. Doch bot sich auch von hier ein schöner Blick auf die alte Eisenbahnbrücke.

Vorbei an dem wunderschönen seichten Wasser fuhren wir zum Sandspur Beach, wo wir uns auch noch mal ins Wasser fallen lassen wollten.

Leider war heute am Sandspur Beach noch mehr Seegras angespült worden, als bei unserem ersten Besuch. Wir steckten unseren Sonnenschirm in den dadurch leider nicht sehr ansehnlichen Strand und gingen ins Wasser, das ( hatte man das Seegras hinter sich gelassen) herrlich klar und türkis war. Wir planschten eine Weile im warmen Meer, dann beendeten wir unseren Besuch auch schon recht bald wieder, da wir keine Lust hatten, im braunen Gewächs zu hocken, das auch ziemlich müffelte. So stapften wir nass und schwer bepackt zurück zum Auto, was mit Schlappen gar nicht so einfach war. Doch ausziehen konnten wir sie auch nicht, da der Sand und die Wege glühend heiß waren. Die Kokospalmen am Parkplatz waren so karibisch schön, dass ich sie unbedingt noch schnell fotografieren musste.

Bahia Honda Bridge
Bahia Honda Bridge

Auf dem Rückweg nach Key West hielten wir noch einmal neben dem Overseas Highway, um die Bahia Honda Bridge auch von der anderen Seite zu sehen. Hierfür kletterten wir über einen schmalen Weg und Betonblöcke, bis wir so nah es möglich war auf die alte Brücke sehen konnten. Auch von dieser Seite war sie faszinierend, gerade weil sie noch "kaputter" aussah. Da wir parkten, wo es eigentlich verboten war, mussten wir aber zügig wieder zurück.



Und weiter ging es auf dem Overseas Highway über das herrliche Meer. Der Blick auf das Navigationsgerät zeigt, dass wir zum Teil nur über Wasser fuhren. Wo gibt es das sonst? Und warum sollte man sonst sein Navidisplay fotografieren? 

Eis für Hunde
Eis für Hunde

Da wir vom vielen Planschen in der Hitze ziemlich schlapp waren, hatten wir an diesem Abend keine Lust mehr, uns wieder herzurichten und außer Haus zu essen. So gingen wir nass und sandig wie wir waren in einen Supermarkt, um für ein Abendessen im Hotel einzukaufen. Im Eisfach fiel mein Blick auf eine Eispackung mit dem Namen "Frosty Paws". Gerade als ich dachte, was für ein süßer Name das doch für ein Eis sei, zeigte auch mein Mann auf die Packung und sagte:"Guck mal, hier gibt das sogar Eis für Hunde!" Tatsächlich, es war Hundeeis mit Erdnussbuttergeschmack und wir entdeckten sogar noch andere Sorten. In Amerika gibt es aber auch nichts, was es nicht gibt.

Im Garten unseres Hotels gab es dann lecker gegrilltes Hähnchen, Salat und Wein. Danach schnackten wir noch lange mit Roman, der irgendwie nie Feierabend hat.

 

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir fast zu gleichen Teilen am Loggerhead Beach und bei "Sloppy Joe's". An unserem letzten Abend in Key West ließ sich die Sonne nicht lumpen und krönte die Sunset Celebration am Mallory Square mit diesem fulminanten Abgang:

Sanibel Island

Seven-Mile-Bridge
Seven-Mile-Bridge


Am 18.August mussten wir uns schweren Herzens von Roman und Key West verabschieden. Doch früher oder später kommen wir auf jeden Fall wieder und Roman versprach, dann auch immer noch da zu sein. Wer geht hier auch freiwillig weg...?

So fuhren wir über die Seven-Mile-Bridge und schließlich quer durch die Everglades an die Golfküste auf die Fort Myers vorgelagerte Insel Sanibel Island. 



Bereits 2007 hatten wir von Fort Myers Beach aus einen Ausflug auf die Muschelinsel gemacht und waren so begeistert, dass wir uns vornahmen, hier unbedingt einmal mehr Zeit zu verbringen. In diesem Jahr war es dann soweit und wir freuten uns auf exzessives Muschelnsammeln und Baden im warmen Golf von Mexico.

Sanibel Inn Resort
Sanibel Inn Resort

Südlich von Fort Myers trennt Estero Island die gleichnamige Bay vom Golf von Mexico. Von Estero Island führt dann der 5km lange Sanibel Causeway über das Wasser nach Sanibel Island. Wir mussten dem Causeway nur weiter geradeaus bis zum Gulf Drive folgen, bis wir schnurstracks auf unser Strandresort "Sanibel Inn" zufuhren. Das Resort bestand aus mehreren Gebäuden mit direktem Zugang zum Strand. Wir waren in einem sehr geräumigen schönen Zimmer mit Meerblick untergebracht. Hier hat es uns auf Anhieb sehr gut gefallen und wir richteten uns für die folgenden 5 Tage ein. Nachdem wir alles ausgepackt hatten, erkundeten wir ein wenig die Anlage, die auch wirklich schön war. 

Restaurant "Island Cow"
Restaurant "Island Cow"

Wir gingen noch ein wenig am Strand spazieren, dann machten wir eine Orientierungsfahrt über die Insel. Es war schon ziemlich spät und wir suchten das im Internet hochgelobte Restaurant "Island Cow" im Periwinkle Way. Die Orientierung fiel nicht schwer, da es nur zwei quer über die Insel führende Straßen gibt. So fanden wir auch schon bald das gesuchte Lokal. Als wir einen Tisch zugewiesen bekamen, genossen wir in entspannter, freundlicher Atmosphäre frisch gegrillten Fisch und Meeresfrüchte-Schaschlik. Das war lecker und wir hatten schon am ersten Abend ein neues Stammlokal gefunden.



Als wir wieder zum Hotel zurückfuhren, dämmerte es bereits. Da viele Schilder darauf hinwiesen, dass in diesem Naturparadies entsprechend viele Tiere unterwegs sind, fuhren wir sehr langsam und das nicht nur, um uns nicht unbeliebt zu machen, sondern auch, um vielleicht einen dieser Inselbewohner zu sehen. Süß war, dass die hier heimischen Gesellen einzeln auf den liebevoll gestalteten Schildern abgebildet waren.

Bowman's Beach
Bowman's Beach

Am nächsten Morgen waren wir früh wach, denn es war der 19.August: Unser Hochzeitstag und mein Geburtstag. Diesen besonderen Tag wollten wir an einem besonders schönen Ort verbringen, wofür Bowman's Beach, der muschelreichste Strand der Insel, besonders in Frage kam. So fuhren wir über die Insel bis zu dem versteckt liegenden Parkplatz inmitten eines Palmenhains, liefen durch die subtropische Landschaft bis sich vor uns ein Paradies eröffnete: weißer Strand voller Muscheln, türkisfarbenes Meer und Unmengen von Pelikanen. Hier steckten wir unseren Sonnenschirm in den Sand und beschlossen, den ganzen Tag nichts anderes zu machen, als einfach nur das Leben zu genießen. Gibt es einen schöneren Plan für einen doppelten Feiertag? Die ersten Gratulanten waren Pelikane, dann kamen noch andere Seevögel dazu und zum Schluss lugte auch noch ein Krebs aus seinem Loch direkt neben unserem Handtuch hervor. Da fährt man extra so weit weg und dann kommen doch so viele Leute vorbei...

 

2007 hatte ich mir vorgenommen, einmal um die "Kurve" des Strandes zu gucken. Heute sollte es so weit sein: Wir marschierten immer weiter am Strand entlang, bis... ? Bis wir vor einer Baustelle standen, die man nicht umgehen konnte. Viele Pelikane und Reiher gab es hier, aber kein Weiterkommen. Wieder nichts. Dann müssen wir ja wohl irgendwann wiederkommen...

Doch irgendwann gingen uns die Getränke aus und es war doch sehr heiß. Um nicht noch an meinem Ehrentag Kopfschmerzen zu riskieren, verließen wir den Muschelstrand, kauften in einem sehr schönen Supermarkt am Periwinkle Way für das nächste Frühstück ein und fuhren zurück zum Hotel. Hier begutachtete ich meine Muschelausbeute und breitete sie zum Trocknen auf dem Balkon aus. Dann machten wir uns ausgehfein, da wir heute in einem Fischrestaurant den Rest unseres "Hochzeitsgeburtstags" feiern wollten. Auf unserer Fahrt Richtung Tarpon Bay Road, wo "Timbers Restaurant and Fish Market" lag, kamen wir an diesem nostalgischen Schild vorbei. Aber heute sollte es kein Fastfood geben.

"Timbers Restaurant" gefiel uns ausgesprochen gut: es war im hawaiianischen Stil eingerichtet, an den Wänden des Barbereichs hingen Bilder von Stars, die hier bereits eingekehrt waren, der Fisch war fangfrisch und konnte vorher noch begutachtet werden (zum Glück schon filetiert). Wir gönnten uns gebackene Austern, köstliche lokale Fischspezialitäten und einen edlen Tropfen dazu. Als unsere Bedienung herausbekam, dass ich Geburtstag habe, spendierte der Manager noch einen Key Lime Pie mit Kerze. Das war ein perfekter Tag!

Sonnenaufgang auf Sanibel
Sonnenaufgang auf Sanibel

An diesem Abend saßen wir noch lange auf unserem Balkon, wobei wir hier und da am Strand Lichter sahen. Hier waren bereits Muschelsammelprofis ("Beachcombers") am Werk, die mit Stirnlampen auf der Suche waren. Da der Golf von Mexico hier keine Riffe besitzt, werden die Muschelschalen in rauen Mengen wohlbehalten an den Strand geschwemmt. Auch ich wollte am nächsten Tag so früh wie möglich an den Strand, um nach besonders prachtvollen Exemplaren Ausschau zu halten. Hätte ich auch eine Stirnlampe dabei gehabt, wäre ich bestimmt sofort losgezogen. So konnte ich gar nicht schlafen und war schon vor Sonnenaufgang wieder wach. Schnell zog ich mich an und lief mit Leinenbeuteln für meine Beute bewaffnet an den Strand, während mein Mann noch schnarchte. Er wusste gar nicht, was er verpassen würde...

Am Strand waren nur ganz wenige Leute (hmpf, aber es waren welche da...) und es war noch angenehm frisch. Ein Schwarm Pelikane kam zu seinem Dienstbeginn angeflogen, andere Seevögel saßen schon bereit. Alle waren in freudiger Erwartung auf das Naturschauspiel, das sich nun bald bieten würde. Zunächst war die Beute noch gering, doch wurde ich schon richtig gut im "Sanibel Stoop", der auf Sanibel zwangsläufig eingenommenen, gebückten Haltung am Strand.

Tags zuvor fragte ich mich bereits, was das Schild am Strand sollte auf dem darauf hingewiesen wird, dass das Aufsammeln lebender Muscheln verboten sei. Die sind doch meistens schon tot und leer, wenn sie am Strand liegen? In den nächsten Minuten sollte ich eines Besseren belehrt werden. Plötzlich tauchten überall aus dem Sand große Muscheln auf, die Richtung Wasser "hüpften". Das hatte ich ja noch nie gesehen. Jetzt hatten die Seevögel ihren Auftritt, dennoch schafften es viele Muscheln ins Wasser. Einige unterstützte ich dabei. Tja, mein lieber Mann: Dieses Schauspiel hast du verschnarcht...

Tag am Meer
Tag am Meer

Mit einem vollen Leinenbeutel kehrte ich schließlich ins Hotel zurück, wo ich meinem Mann das soeben Erlebte erzählte. Dann wusch ich meine Muscheln im Waschbecken aus und legte sie zum Trocknen auf den Rand. Nach einem netten Frühstück auf unserem Balkon, mit mitgebrachten Leckereien und frischgebrühtem Kaffee, war plötzlich "Bewegung" im Badezimmer: Ein Krebs krabbelte auf dem Waschbecken herum. Da hatte ich doch tatsächlich eine lebende Muschel erwischt. Was nun? Auf das tolle Gehäuse war ich ja schon scharf, aber der Krebs? Nachdem mein Mann mir eindringlich ins Gewissen redete, lief ich schnell zum Strand und entließ den kleinen Kerl wieder in die Freiheit. Danach gingen wir gemeinsam an den Strand, wo wir den ganzen Tag entweder in der Sonne lagen, Vögel beobachteten oder im "Sanibel Stoop" am Strand spazierten. Herrlich! Einige Leute hatten noch große Muscheln im Sand gehortet, in der Hoffnung, dass die Vögel und die Sonne schon dafür sorgen würden, dass sie das Gehäuse letztlich leer mit nach Hause nehmen könnten, ohne sich des Life Shellings strafbar zu machen. Aber nicht mit mir: Einen günstigen Moment abgepasst und schwuppdiwupp habe ich die Muscheln ins Meer gebracht. Ätsch!



So verbrachten wir den ganzen Tag am Strand. Unter uns die Muscheln, vor uns das Meer und über uns ein strahlend blauer Himmel. Mehr sahen wir nicht an diesem Tag und das war auch mehr als gut so, schließlich müssen wir ja bis zum nächsten Urlaub über ein Jahr von diesen Eindrücken zehren...

Am 21.August frühstückten wir im "Lighthouse Café", wo es bis zum Nachmittag lecker Frühstück gibt. Ich bestellte mir ein boiled egg und lernte eine interessante Art des Eierkochens kennen: Das Ei wurde aufgeschlagen und komplett in kochendes Wasser fallengelassen - ein gekochtes Ei ohne Schale in perfekter Konsistenz, wenn man es innen noch flüssig mag. Ich fand das Ei und den Rest sehr lecker. Die Wände des Cafés waren über und über mit Bildern von Leuchttürmen aus aller Welt dekoriert, eine prima Einstimmung auf unser nächstes Ziel den "Lighthouse Beach".

Lighthouse Beach
Lighthouse Beach

Der Lighthouse Beach liegt am östlichen Ende Sanibels und geht (würde man immer am Strand weitergehen) nach einigen Kilometern in den Strand vor unserem Hotel über. Namensgebendes Highlight und mit seinen 30m Höhe unübersehbares Wahrzeichen der Insel ist der 1884 erbaute Leuchtturm. Er ist deshalb nicht zu übersehen, da alle anderen Gebäude auf der 20km langen Insel nicht höher als 13,70m sein dürfen. Vom Lighthouse Beach aus sah man den Sanibel Causeway und Estero Island auf der anderen Seite. Hier gab es nicht so viele Muscheln wie an den anderen Stränden, dafür lag hier viel Treibholz herum und bot herrliche Motive.



An der kleinen Fishing Pier tummelten sich viele Wasservögel, zum Einen weil sie hier etwas Schatten fanden, zum Anderen weil sie darauf hofften, etwas vom Fang der Angler stiebitzen zu können. Die Vögel waren gar nicht scheu und ließen sich bereitwillig fotografieren.

Da es erst Mittag war, wollten wir uns noch das "J.N. "Ding" Darling National Wildlife Refuge" im Nordosten der Insel anschauen. Auf einem 8km langen Wildlife Drive durchfuhren wir dieses Naturschutzgebiet, das rund ein Drittel der gesamten Inselfläche einnimmt. In dieser von Sümpfen und Frischwassermarschen durchzogenen Mangrovenwildnis ist eine typische Südflorida-Fauna beheimatet. Doch hatten die Tiere an diesem heißen Tag anscheinend keine Lust, uns zu begrüßen. Da hatten wir ja an den Stränden viel mehr Wildvögel gesehen. Auch die Alligatoren hörte man nicht mal bellen. Schade!



Nach Verlassen des Refuges mussten wir erstmal tanken, weshalb wir die einzige kleine Tankstelle der Insel aufsuchten. Während mein Mann zahlte und noch ein paar Getränke besorgte, wartete ich im Auto und betrachtete dieses Schätzchen. Ach ja, auf Sanibel ist sogar Tanken schön...

Captiva Island
Captiva Island

Mit gefülltem Tank ging es nun auf die Nachbarinsel Captiva Island, die man über den Blind Pass (einen schmalen Kanal) erreicht. Wäre am Bowman's Beach nicht die Baustelle gewesen, wären wir hier angekommen. Gleich hinter dem Blind Pass liegt der Turner Beach, an dem jedoch eine recht starke Strömung herrscht. Der Captiva Drive führt als einzige Straße über die Insel, auf der weniger, dafür aber noch wohlhabendere Menschen als auf Sanibel leben. Leider durfte man an den schönen Anwesen nicht anhalten, da alles Privatbesitz ist. So blieb uns nicht viel übrig, als die Schönheit der Insel vom Auto aus zu beobachten. Einzig an der kleinen weißen Kapelle vertraten wir uns ein wenig die Beine.



Auf dem Rückweg kauften wir uns etwas für Abendessen und Frühstück im schönen (aber teuren) Supermarkt auf Sanibel. Es gab lecker Mac&Cheese (naja, so lecker war es gar nicht) und Lasagne. Dank unserer Kitchenette im Zimmer war das ja alles kein Problem. Wir speisten auf unserem Balkon und lauschten dem Zirpen der Grillen. Ach wie schön!

Sun Harvest Market
Sun Harvest Market



Am 21.August verließen wir Sanibel für einen Ausflug aufs Festland. Unser Ziel war Sarasota, wo wir ein Automuseum besuchen und unbedingt bei den Amish essen wollten. Auf der Strecke gleich bei Fort Myers hielten wir am Sun Harvest Market. In dieser Markthalle gab es alles was mit Orangen zu tun hat. Wir kosteten von den Florida-Orangen, die mit unseren Supermarktorangen nicht zu vergleichen sind; zuckersüß und saftig waren sie. Durch eine Scheibe konnte man bei der Saftproduktion zusehen. Wir probierten noch kostenlos verschiedene Säfte, bis wir einen Blubberbauch hatten. Na gut, ein leckeres Vanille-Orangen-Eis passte doch noch rein...

Sarasota Classic Car Museum
Sarasota Classic Car Museum



Schließlich erreichten wir Sarasota und damit auch das Classic Car Museum, das ich aber ziemlich langweilig fand. Mein Mann war hingegen in seinem Element. Hinter dem Museum befand sich ein Händler solcher Wagen, die wir eben noch gegen Eintritt gesehen hatten. Hier gab es noch schönere Modelle und wir verbrachten hier bald noch mehr Zeit als im Museum.

bei den Amish in Sarasota
bei den Amish in Sarasota

Dann kamen wir bei den "Yoders" an. Wir sahen sie in der Sendung "Verdammt lecker - Nachschlag für Adam Richman" (orig.: "Man vs. Food", auf DMAX) und wollten die Amish-Küche unbedingt einmal selbst probieren. Berühmt ist das Restaurant eigentlich für seine Erdnussbuttercreme-Torte, die ich aus allergietechnischen Gründen jedoch nicht probieren konnte. Außerdem war uns sowieso eher nach etwas Deftigem und das sollten wir hier in unerwartet großen Mengen bekommen. Ich aß Leber mit Zwiebeln und Apfelmus (und das in Amerika!) und amishen Kartoffelplätzchen, mein Mann Pulled Pork. Dazu gab es Eistee mit Minze. So gut, reichlich und vor allem günstig hatten wir noch nie gegessen. Am Ausgang des Restaurants lief in Dauerschleife die Folge "Man vs. Food", auf der noch die Gründerin des Lokals zu sehen war, die leider wenige Wochen zuvor verstorben war. Zu dem Gelände gehörten noch ein Souvenirshop und eine Markthalle, in der ökologische Produkte der Amish verkauft wurden. Die Mitglieder der Gemeinde trugen ihre typische Kleidung (lange Kleider mit Schürze), doch was musste ich entdecken? Eine Amishe hatte unter ihrem Häubchen ein Handy. Ich dachte, die leben so wie ihre Vorfahren vor 100 Jahren? Naja, ihr Internetauftritt ist ja auch recht professionell... 

Es wurde schon dunkel als wir über den Sanibel Causeway zurück zum Hotel fuhren und das lag nicht nur daran, dass es schon so spät war, sondern auch weil ein Unwetter aufzog. Das hatten wir ja gut abgepasst. Das Unwetter ließen wir jedoch auf dem Festland zurück, was wir eindrucksvoll von unserem Balkon aus beobachten konnten. Heftige Blitze erhellten den Himmel über Fort Myers und über uns funkelten die Sterne. Was für ein Anblick!

Unseren letzten Tag auf Sanibel Island verbrachten wir ganz entspannt am Strand vor unserem Hotel. Abends aßen wir noch einmal in der "Island Cow". Dann mussten wir schon wieder unsere Koffer packen. Warum vergehen schöne Tage eigentlich immer viel schneller als andere?

Am 23. August war ich schon wieder viel früher wach als mein Mann und beschloss, ein letztes Mal die schöne Straße zum Periwinkle Way hinaufzugehen. Spechte saßen in den Bäumen des Resorts, im Gras neben der Straße pickten rosane Vögel und die Gärtner begannen ihre Arbeit in den schicken Gärten der scheinbar reichen Anwohner. Hier und dort holte gerade jemand seine Zeitung aus dem Vorgarten und grüßte freundlich. Ich fing schon an, mir vorzustellen, hier selber zu wohnen. Nicht nur die Häuser waren sehr schön, auch die Vorgärten fand ich faszinierend. Was bei uns Kies ist, sind hier Muscheln. Und mit den Briefkästen können wir erst recht nicht mithalten. Seht selbst:

Sanibel Causeway
Sanibel Causeway

Wieder im Hotel zurück fingen meine Beine an zu jucken. Entweder waren in dem Grünstreifen, in den ich mich für ein Foto gehockt hatte Ameisen, oder in den Muscheln, die ich vorher auf dem Balkon zusammenpackte Sandflöhe, oder es war psychisch wegen der bevorstehenden Abreise. Was auch immer es war, es juckte und es sollte noch schlimmer werden...

Auf der letzten Fahrt über den Sanibel Causeway gab es aber zunächst Ablenkung vom Jucken, denn es boten sich hier fantastische Ausblicke. Endlich war auch unter der schiefen Palme Platz, so dass wir hier ein paar Bilder machen konnten. Sonst stand dort jedesmal ein Auto oder es lag jemand in ihrem Schatten. Ein Reiher blickte so konzentriert auf das Wasser, dass er sich von uns gar nicht stören ließ. Selbst hier direkt neben der Straße war es so schön, dass wir gerne noch länger geblieben wären. Aber vor uns lagen noch einige Meilen Fahrt.

Mit diesem Fototapetenmotiv ließen wir die paradiesische Insel hinter uns und fuhren zu unserem letzten Übernachtungsziel Fort Lauderdale an die Atlantikküste.

Naples

Auf unserem Weg nach Fort Lauderdale legten wir noch einen Stopp im 1867 gegründeten Naples (das von sich behauptet, der reichste Ort ganz Floridas zu sein) ein. Entsprechend schön waren die Häuser am Strand. Uns zog es zur 1887 erbauten, 300m langen Naples Pier, wo viele Seevögel darauf lauerten, etwas vom Fang der zahllosen Angler zu ergattern. Vom Pier bot sich ein herrlicher Blick auf den weißen Strand und das seichte Wasser davor. Von hier oben konnten wir schon vor den Badenden einen Delfin erkennen, der ganz nah an den Strand schwamm. Die Leute im Wasser wurden unruhig, einige suchten schnell das Weite, andere starrten auf den Meeressäuger. Ich wäre wahrscheinlich mit Herzstillstand umgefallen, wäre die Flosse direkt neben mir aufgetaucht. Es könnte ja auch ein Hai sein... Zum Glück beobachteten wir das Ganze aus sicherer Entfernung. Dann mussten wir aber auch schon unsere Fahrt fortsetzen und gingen zurück zu unserem Auto, das direkt vor dem Palm Cottage (dem ältesten erhaltenen Gebäude des Ortes) stand.

Fort Lauderdale

In Fort Lauderdale hatten wir zwei Nächte im "Marriott's Harbor Resort&Spa" gebucht. Unser Zimmer war im obersten Stock ganz rechts (siehe Foto). Entsprechend gut war unsere Aussicht vom Balkon auf den Strand und die Stadt. Das Hotel war sehr schön und besonders das Frühstück war klasse. Hier am Atlantik waren Wind und Wellengang viel stärker als an der Golfküste. Auch stand die 185000-Einwohner-Stadt in krassem Gegensatz zu den beschaulichen Orten auf den Florida Keys oder Sanibel Island, wo wir uns eindeutig wohler fühlten. A propos "wohlfühlen": Meine Stiche an den Beinen vermehrten sich und juckten immer stärker; so ein Souvenir wollte ich mir eigentlich nicht mitbringen...

Da die Stadt auf sehr sumpfigem Boden errichtet wurde, gibt es hier zahlreiche parallel verlaufende Entwässerungskanäle, deren Erdaushub zu länglichen Halbinseln aufgeschüttet wurde, auf denen die Häuser dann gebaut wurden. Insgesamt entstanden so 300km Wasserwege, die der Stadt die Bezeichnung "Venice of America" einbrachten. Von unserem Balkon aus, konnten wir die so entstandenen Wohnbezirke gut überblicken.

Las Olas Riverfront
Las Olas Riverfront

Nachdem wir uns im Hotel umgesehen hatten, fuhren wir über den Las Olas Boulevard in Downtown zum Einkaufszentrum "Las Olas Riverfront", das eigentlich sehr schön angelegt ist, jedoch fast komplett leer stand. Hier war absolut gar nichts los, obwohl von hier aus auch die Bootstouren über die Kanäle stattfinden sollten. Irgendwie fanden wir in der ganzen Stadt keinen Ort, der uns so recht ansprechen wollte und so beschlossen wir, noch in die "Sawgrass Mills Factory Outlet Mall" im 16mi westlich gelegenen Sunrise zu fahren. In dieser größten Outlet Mall der USA mit ihren fast 300 Factory Stores aller Preisklassen waren wir bereits 2007. Zwar shoppen wir eigentlich eher ungern, aber wir wussten heute sonst nichts mit uns anzufangen. Wir fanden trotz des immensen Angebots nichts, was wir unbedingt haben mussten (wir brauchten ja auch nichts). Auf dem Rückweg entdeckten wir noch einen "Cracker Barrel", wo wir natürlich einkehren mussten. 

Als wir wieder in Fort Lauderdale ankamen, war es schon spät und wir bummelten noch über den sehr schön beleuchteten Las Olas Boulevard mit seinen Galerien, Restaurants und Geschäften. War in der riesigen Sawgrass Mills nichts nach unserer Mütze, verguckte mein Mann sich im Schaufenster einer Boutique in ein Hemd. Leider hatte der Laden als einer der wenigen hier schon geschlossen. Wir sollten eben einfach kein Geld ausgeben...

In der Nacht konnte ich vor Juckreiz nicht schlafen, wie sollte das erst im Flugzeug werden? Die mitgebrachte Salbe aus Deutschland nützte nicht und die Quaddeln wurden immer größer. Es half alles nichts: Wir mussten uns wieder anziehen und eine Apotheke suchen. Die an der Rezeption genannte hatte bereits geschlossen, doch zum Glück fanden wir nicht weit entfernt eine "cvs/pharmacy". Kurz das Problem geschildert und ein Bein gezeigt und schon kam der nette Apotheker mit dem weißen Kittel hinter dem Tresen hervor und zog mit gezieltem Griff eine Packung aus einem der riesigen Regale. Erst da bemerkten wir, dass er barfuß war. Zwar hatte er keine Schuhe, aber Ahnung, denn die Salbe half ziemlich gut.


Am 22.Juli frühstückten wir sehr gut im Hotel. Bei leckeren Omeletts und Lachsbrötchen kamen wir mit einem sehr netten deutschen Pärchen ins Gespräch, die von hier aus mit dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt (der "Oasis of the Sea") eine Karibikkreuzfahrt machen wollten. Das riesige Schiff konnten wir von unserem Balkon aus im Port Everglades (einem der größten Kreuzfahrthäfen) sehen.

Nach dem Frühstück gingen wir an den hoteleigenen Strand, wo der Sand nur so flog. Der Wind wurde immer heftiger, sodass wir es hier nicht lange aushielten. So schön fanden wir ihn mit dem hohen Hotel im Hintergrund und so ganz ohne Muscheln auch nicht. Das Meer war auch zu aufgewühlt, um darin zu baden. Was waren wir doch vom Loggerhead und Bowman's Beach verwöhnt... Am Hotelpool war es hingegen erträglich. Wir ergatterten zwei Liegen und planschten im Pool, der aber im Gegensatz zum Strand viel zu voll war. Besonders die Kinder, die ständig vom Rand sprangen, nervten. Die Sonnenschirme mussten wegen des zunehmenden Sturmes geschlossen bleiben. Als es auch noch anfing zu regnen, zogen wir uns auf unser Zimmer zurück, wo wir schon mit dem Packen anfingen. Als wir uns noch ein wenig auf den relativ geschützten Balkon setzen wollten, trauten wir unseren Augen kaum: Eine Stuhlauflage flog an uns vorbei. Wohlbemerkt, unser Zimmer war im obersten Stock! Nun machten wir uns doch Sorgen, da es nicht so aussah, als würde sich das Wetter noch bessern. Auch der Blick in den Weatherchannel verhieß nichts Gutes. So fragten wir direkt bei Air Berlin nach, ob der Flug eventuell gefährdet sei. Man verneinte, würde jedoch weiter beobachten und sich gegebenenfalls melden. Wir waren gespannt.

Am nächsten Morgen regnete es zwar immer noch, doch hatte der Sturm nachgelassen. So machten wir uns direkt nach dem Frühstück auf den Weg zum 30mi entfernten Flughafen von Miami, wo unsere Maschine planmäßig startete. Fort Lauderdale und insbesondere das Grau in Grau machten uns den Abschied zwar etwas leichter, doch traurig waren wir trotzdem. Schön war es mal wieder gewesen. Doch irgendwann kommen wir bestimmt wieder nach Florida, das hatten wir Roman ja versprochen...

Kommentare: 20
  • #20

    Katrin (Montag, 24 Juli 2017 09:52)

    Lieber Hartmut,
    vielen Dank für das Lob! Ich wünsche euch einen wunderschönen Urlaub!

  • #19

    Hartmut (Freitag, 21 Juli 2017 13:01)

    Hallo Katrin,

    mit Freude habe ich gerade Deinen Reisebericht vom Osten Kanadas gelesen. Bei uns geht´s in ein paar Tagen los. Großes Kompliment für Deine Reiseseite.
    Liebe Grüße aus Braunschweig
    Hartmut

  • #18

    Katrin (Sonntag, 19 Februar 2017 12:51)

    Nochmal hallo Volker,
    gerade habe ich doch gesehen, dass ich natürlich auch schon auf deiner informativen Seite war, um Informationen über Strände auf Hawaii zu bekommen.

    Vielen Dank dafür!

  • #17

    Katrin (Sonntag, 19 Februar 2017 12:42)

    Hallo Volker,

    vielen Dank für deine nette Rückmeldung. Ja, ich bin gerade noch in der Planung, obwohl die Eckdaten natürlich schon stehen. So werden wir uns Oahu, Kauai, Big Island und Maui anschauen. Der Open doors-Helikopterflug auf Kauai ist auch bereits gebucht, der Sonnenaufgang am Haleakala auf Maui fest eingeplant und auch sonst habe ich hoffentlich dank Lala und anderer guter Seiten nichts vergessen...!

    Ganz herzliche Grüße,
    Katrin

  • #16

    Volker (Samstag, 18 Februar 2017 21:55)

    Hallo Katrin,

    ich habe Deine schöne Seite bei Lala entdeckt. Wollte gerade den Hawaii Bericht lesen, doch wurde ich dort daran erinnert, daß Du bei Lala von der Reiseplanung geschrieben hast. :-) Ich wünsche Euch einen schönen Urlaub. Welche Inseln habt Ihr denn eingeplant?

    Viele Grüße von Volker

  • #15

    Katrin (Mittwoch, 04 Januar 2017 13:58)

    Ich wünsche dir ganz viel Spaß in Florida!!!

  • #14

    Ramona (Mittwoch, 04 Januar 2017 08:00)

    Liebe Katrin
    Vielen Dank für Deine Rückmeldung. :) Ich werde es bei der Julia Street versuchen. Natürlich steht auch eine Fahrrad Tour auf unserem Programm.. dann werde ich das süsse Rosa Haus sicherlich finden. :)
    Liebe Grüsse aus Zürich :)

  • #13

    Katrin (Dienstag, 03 Januar 2017 21:39)

    Hallo Ramona,
    da wir 2007 nur zufällig an dem kleinen rosa Haus vorbeigekommen sind, kann ich dir leider die Adresse nicht nennen. Da im Hintergrund das Key West Lighthouse ( 938 Whitehead Street ) zu sehen ist, muss es in einer der kleinen Nebenstraßen stehen. Ich würde bald sagen, es ist die Julia Street, weiß es aber leider wirklich nicht. Zum Glück ist Key West aber sehr überschaubar und mit einem Fahrrad (z.B. von "Eaton Bikes") schnell und gründlich an einem Nachmittag abzufahren. Viel Erfolg!

  • #12

    Ramona (Dienstag, 03 Januar 2017 15:07)

    Hallo Katrin
    Bin gerade durch googeln auf deine Seite gestossen. Weisst du noch per Zufall an welcher Strasse das Rosa Haus in Key West anzutreffen ist? :) Ich muss dieses Haus unbedingt sehen. ;)
    Liebe Grüsse Ramona

  • #11

    Katrin (Donnerstag, 27 Oktober 2016 18:21)

    Danke Petra. Es freut mich sehr, dass dir die Seite gefällt!

  • #10

    Petra (Sonntag, 23 Oktober 2016 19:45)

    Eine ganz tolle Seite mit schönen Bildern und Infos zu den Reisen. Es gibt zwar viele Reiseberichte im Web aber diese gehört zu den besseren!!Liebe Grüße aus Mainz und weiter so

  • #9

    Katrin (Samstag, 23 April 2016 16:18)

    Hallo Harald,
    danke für das Lob. Mit Sandflöhen hatten wir noch nie Probleme, mit Moskitos nur bis zu der Erkenntnis, dass man doch lieber das Schutzspray aus den USA benutzen sollte... 2012 habe ich mich auf einer Rasenfläche mit (vermutlich) Ameisen angelegt, was sehr unangenehm war. In solchen Fällen hilft jedoch die in den USA sogar in den meisten Supermärkten erhältliche Cortizone 10-Salbe.

  • #8

    Harald (Sonntag, 17 April 2016)

    Hallo,
    dein Bericht ist ja super, nur eine Frage: Gab es Probleme mit Sandföhen oder No see ums? Ihr seid ja sehr USA-erfahren.

  • #7

    Klaus (Mittwoch, 02 März 2016 12:56)

    Eine Rundreise durch die US-Weststaaten ist schon eine tolle Sache! Wir haben auch das Castle Marne besucht (allerdings ohne Schreck beim Frühstück), es kommt in unserem Artikel zu besonderen Unterkünften vor, der vielleicht auch deine Leser interessiert:
    http://willkommenfernweh.de/besondere-unterkuenfte-weststaaten/

  • #6

    Katrin (Donnerstag, 11 Februar 2016 08:13)

    Hallo Namensvetterin, ich stöbere nun schon den zweiten Tag auf deiner Seite herum und finde immer wieder was neues. Toll gemacht. Unser nächster Trip steht zwar erst in zwei Jahren an aber Anregungen hast du viele für uns! Freue mich schon auf den nächsten Reisebericht!

  • #5

    Sascha (Freitag, 20 Februar 2015 13:46)

    Super! Deine HP hat mich gerade verzaubert! So tolle Bilder und deine Texte dazu- einfach herrlich! Habe die Seite abgespeichert! Sehr toll!

  • #4

    Jens (Samstag, 01 Februar 2014 22:01)

    Eine wirklich tolle Seite und Leistung...
    Kompliment Katrin... Weiter so...!!!

  • #3

    Eva (Samstag, 29 Juni 2013 21:42)

    Herrlisch!!!!

  • #2

    Lara (Donnerstag, 27 Juni 2013 23:29)

    ... tolle Fotos, tolle Geschichten,toller Mensch...
    Fotografieren und Reisen planen, das solltest Du zu Deiner Hauptaufgabe machen.
    Ich wünsche Dir einen schönen Trip und pass' auf Dich auf!
    Ich drücke dich ganz doll,
    Dein Patenkind (dessen ersten Amerikatrip du in 2 Jahren planen wirst :-) )

  • #1

    Lea (Dienstag, 11 Juni 2013 20:32)

    Hallo Katrin, ich war so neugierig und musste gleich mal schauen... Tolle Website und tolle Geschichten. Hier hab ich einiges zu lesen... Hoffentlich lernen wir uns am Samstag kennen. Gruß Lea


Alle Reisen wurden mit Unterstützung des

 

TUI ReiseCenter  (Veerßer Straße 33  in 29525 Uelzen) gebucht.